Fünfter Tag der Straßenproteste in Rumänien
Die Opposition kündigte für Donnerstag eine Großdemonstration an.
Bukarest - Die Straßendemonstrationen gingen in Rumänien in mehreren Städten, einschließlich der Hauptstadt Bukarest, am Dienstag weiter. Die Proteste ließen auch am fünften Tag kaum nach, obwohl der Arzt Raed Arafat, dessen Rücktritt als Unterstaatssekretär im Gesundheitsministerium letzte Woche die Revolten ausgelöst hatte, inzwischen von Premier Emil Boc in sein altes Amt zurückberufen wurde. Die oppositionelle Sozialliberale Union (USL), die bereits am Wochenende die Proteste zu vereinnahmen versuchte, hat für Donnerstag die Bewilligung für einen groß angelegten Protestmarsch in Bukarest beantragt.
In Bukarest versammelten sich laut der Nachrichtenagentur „Mediafax“ auch am Dienstag „einige Hundert Menschen“. Sie fordern weiterhin den Rücktritt des Staatspräsidenten Traian Basescu und der liberaldemokratischen Regierung, denen sie den allzu harten Sparkurs der letzten eineinhalb Jahre vorwerfen. Am Samstag und vor allem am Sonntag war es in Bukarest zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Gendarmerie sowie ausgedehnten Verwüstungen des Stadtzentrums gekommen. Seit letzter Woche wurde in 45 Städten demonstriert, täglich nahmen laut „Mediafax“ landesweit bis zu 13.000 Menschen an den Protesten teil.
„Wir danken Arafat dafür, dass er uns den Funken geliefert hat, werden aber jetzt nicht den Rückzug einläuten“, sagte ein Demonstrant in Bukarest gegenüber Reportern des Nachrichtenportals „Hotnews.ro“. Ein anderer schlug sogar vor, dass Arafat zum Gesundheitsminister ernannt werde.
Der sozialdemokratische Ex-Staatschef Ion Iliescu (PSD), eine der wichtigsten Figuren der Opposition, erklärte, Arafat sei „der neue Tökes“, in Anspielung auf den protestantischen Pastor Laszlo Tökes, dessen Verfolgung durch das kommunistische Regime 1989 in Temeswar erste Proteste auslöste, die sich auf das ganze Land ausweiteten und schließlich zum Sturz der Diktatur führten. Arafat selbst erklärte hingegen, dass „die Proteste derzeit nichts mehr mit dem Arzt Arafat zu tun haben“.
Davon zeugt auch die Tatsache, dass viele der Demonstranten in Bukarest den Namen Arafats mit jenem der rumänischen Stadt Calafat verwechseln. Immer mehr Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Demonstrationen recht ziel- und wahllos sind.
Die angestaute Unzufriedenheit über eines der EU-weit härtesten Sparpakete, die Gelegenheit, durch Straßendemonstrationen und gewaltige Ausschreitungen diese Wut abzulassen und die „Berühmtheit“ durch internationale Schlagzeilen scheinen die einzigen gemeinsamen Motivationen für die Ereignisse der letzten Tage zu sein, meint etwa der Journalist Ovidiu Vanghele in einem Kommentar für „Mediafax“. (APA)
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