Wintersport

Streif fordert bereits ihr erstes Opfer - Bestzeit für Cuche vor Kröll

Ein Vorläufer kam schwer zu Sturz und musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. Auch Ivica Kostelic wurde von der Streif abgeworfen und klagt nun über Schmerzen im Sprunggelenk.

Kitzbühel – Die Streif hat am Mittwoch im zweiten Training für die alpine Ski-Weltcup-Abfahrt am Samstag bereits deutlich mehr Zähne gezeigt. So verzögerte sich der Beginn am Mittwoch aufgrund eines schweren Sturzes eines Vorläufers um knapp 30 Minuten. Michael Baumann kam bei der Steilhang-Ausfahrt zu Sturz und musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. Baumann erlitt bei seinem Sturz eine Knieluxation.

Die Bestzeit ging auf das Konto des vierfachen Kitzbühel-Abfahrtssiegers und hohen Favoriten Didier Cuche, der Schweizer verwies in 1:58,10 Minuten den Steirer Klaus Kröll und den Franzosen Johan Clarey um 0,30 Sekunden auf Platz zwei. Der Kroate Ivica Kostelic blieb bei seinem Sturz in der Traverse vor dem Zielhang unverletzt, ebenso wie Johannes Kröll.

Kröll mit Steilhanglinie unzufrieden

Mit jedem Läufer geht Abrieb verloren und kommt das wahre Gesicht der Streif deutlicher zum Vorschein. Es ging im Vergleich zum ersten Training nicht nur schneller zur Sache, in einigen Passagen präsentierte sich die Piste bereits von ihrer ruppigen Seite. „Die Steilhangausfahrt ist mir nicht so gut gelungen, da ist es sehr unruhig, da werde ich noch eine andere Linie wählen, aber bei allem anderen bin ich ganz gut dabei“, sagte Klaus Kröll, der am Dienstag Schnellster gewesen war. Vor allem Mittelteil und Schrägfahrt habe er aber sehr gut erwischt. „Von mir aus passt es, ich brauche kein Training mehr.“

Aufgrund der Wetterprognosen sieht es mit einem Zeitlauf am Donnerstag nicht gut aus, weshalb viele Athleten bereits am Mittwoch mehr ans Limit gingen. Der Wengen-Zweite Hannes Reichelt hatte als Fünfter 0,72 Sekunden Rückstand auf die Spitze, für ihn ist die Streif eine echte Herausforderung. „Es war brutal unruhig, brutal schwer und teilweise eisig. Bei der Anfahrt zum Steilhang haut es dir die Ski um die Ohrwascheln, das ist brutal“, sagte der Salzburger, dem es „vom Feeling her“ aber deutlich besserging als am Vortag. „Man muss sich langsam herantasten. Ich bin teilweise mehr ans Limit gegangen.“

Sollte der dritte Zeitlauf ausfallen, so hat auch Romed Baumann bereits genug Eindrücke gesammelt (10./1,17 zurück). „Es war nicht fehlerfrei, im oberen Teil bin ich nicht ins Fahren gekommen. Die Steilhang-Ausfahrt war nicht optimal, herunten habe ich es aber ganz gut erwischt“, berichtete der Lokalmatador, der noch intensives Videostudium machen will. „Ob es noch ein Training gibt oder nicht, ich bin gut gerüstet.“ Mit jedem Training werde es spürbar unruhiger. „Das war heute schon mal ein Vorgeschmack.“ Mario Scheiber hatte 1,69 Sekunden Rückstand, Joachim Puchner 2,13 und Georg Streitberger 2,16.

Kostelic klagt nach Sturz über Schmerzen

Bange Momente mit Tränen in den Augen erlebte im Zielraum Janica Kostelic, nachdem ihr Bruder Ivica Kostelic nach dem Hausbergsprung in der Traverse zu Sturz gekommen und im Netz gelandet war. Der Zweite im Gesamtweltcup fuhr aber selbst ins Ziel, allerdings waren Rennanzug und Unterbekleidung am rechten Oberschenkel bis auf die nackte Haut aufgerissen. Weshalb der Kroate zu Sturz gekommen war, war auf der Vidiwall nicht ersichtlich, der Athlet verließ kommentarlos gegenüber den Medien den Zielraum. Spurlos dürfte der Sturz nicht an ihm vorübergegangen sein, Kostelic klagt nun über Schmerzen im Sprunggelenk.

Der Kroate hatte sich nach dem ersten Training am Dienstag an Athletensprecher Bode Miller (USA) gewandt. Er hatte die Befürchtung geäußert, dass der Hausbergsprung zu weit gehen könnte. Laut einer Umfrage von Miller waren die Athleten nicht mehrheitlich dieser Meinung, wie FIS-Renndirektor Günter Hujara am Abend im Team Captains Meeting berichtete, weshalb die Kante nicht verändert wurde. „Es gab ein paar unterschiedliche Meinungen, aber meiner Meinung nach ist es fahrbar“, sagte etwa Klaus Kröll nach dem zweiten Training. (APA)

Ergebnisse vom zweiten Training für die Weltcup-Abfahrt der Herren am Samstag auf der Streif in Kitzbühel:

1. Didier Cuche (SUI) 1:58,10 Min.

2. Klaus Kröll (AUT) und Johan Clarey (FRA) je 0,30 Sek. zurück

4. Dominik Paris (ITA) 0,50

5. Hannes Reichelt (AUT) 0,72

6. Adrien Theaux (FRA) 0,78

7. Erik Guay (CAN) 0,96

8. Stephan Keppler (GER) 1,09

9. Kjetil Jansrud (NOR) 1,10

10. Romed Baumann (AUT) 1,17.

Weiter: 17. Mario Scheiber (AUT) 1,69 - 18. Aksel Lund Svindal (NOR) 1,71 - 20. Bode Miller (USA) 1,93 - 23. Joachim Puchner (AUT) 2,13 - 24. Georg Streitberger (AUT) 2,16 - 28. Beat Feuz (SUI) 2,34 - 42. Max Franz (AUT) 3,08 - 43. Matthias Mayer (AUT) 3,21 - 45. Florian Scheiber (AUT) 3,39 - 56. Markus Dürager (AUT) 4,91 - 60. Manuel Kramer (AUT) 13:24,4 (war wegen Sturzes des Läufers vor ihm abgewunken worden; fuhr dann weiter)

Gestürzt: Ivica Kostelic (CRO), Johannes Kröll (AUT), Travis Ganong (USA)