„Sportler-Erlass ist eine Sauerei“
Im Zuge des Sparpakets will nun die ÖVP auch den Sportler-Erlass unter die Lupe nehmen. Spitzensportler versteuern nur ein Drittel ihres Einkommens aus Preisgeldern und Werbeeinnahmen.
Von Michael Sprenger
Wien –Ist der Sportler-Erlass noch zeitgemäß? Für den Finanz- und Steuerexperten Werner Doralt fällt die Antwort klar und eindeutig aus: „Dieser Erlass ist eine einzige Sauerei und ein Steuerprivileg erster Klasse.“ Worum geht es? Spitzensportler haben aufgrund eines Erlasses eine eigene Bemessungsgrundlage und somit einen niedrigen Steuersatz. Sie versteuern aufgrund einer Pauschalregelung von ihren Einkommen aus Preisgeldern und Werbeeinnahmen nicht 100 Prozent, sondern bloß 33 Prozent. „Damit zahlt ein Spitzensportler de facto nur 17 Prozent Steuern“, rechnet Doralt vor.
Im Zuge des angespannten Staatshaushaltes und des Schnürens eines Sparpakets will sich jetzt die Bundesregierung diesen Sportler-Erlass aus dem Jahre 2000 genauer anschauen. Während allerdings die so auf Gerechtigkeit pochende SPÖ sich noch bedeckt hält (weder Finanzstaatssekretär Andreas Schieder noch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas wollten zum Sportler-Erlass einen Kommentar abgeben), stellt sich die ÖVP die Frage, ob diese Regelung noch „zeitgemäß“ sei. „Es ist nicht die Zeit, um sich weiter an Privilegien zu klammern. Es ist nicht die Zeit, alles zu verteidigen, nur weil es in der Vergangenheit auch so war“, sagte ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Wir haben in Österreich ein klares Ausgabenproblem und kein Einnahmenproblem. Trotzdem muss man sich im Zuge der Budgetsanierung auch Steuerschlupflöcher anschauen. Deshalb werden wir uns auch diesen Sportler-Erlass genau anschauen und klären, ob dieser noch zeitgemäß ist.“ Zugleich spielt Rauch aber auch den Ball an Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) weiter. „Darabos soll klären, ob dieses Privileg notwendig ist.“ Konfrontiert mit diesem Ansinnen des Koalitionspartners meinte Darabos zur Tiroler Tageszeitung: „Ich bin nicht für Steuern zuständig. Aber wenn die ÖVP diesen Sportler-Erlass im Zuge der Budgetsanierung diskutieren will, dann werde ich mich nicht wehren. Am Zug ist aber dann die ÖVP-Finanzministerin (Maria Fekter) und nicht ich als Sportminister.“
Von der SPÖ-Seite wollte lediglich Budgetsprecher Jan Krainer das heiße Eisen angreifen. „Ich sehe in der Pauschalregelung der Preisgelder kein Problem. Doch dass man in diesem Erlass auch die Werbeeinnahmen explizit aufgenommen hat, sollte man sich anschauen. Ich will dafür sorgen, dass dieser Sportler-Erlass auch in der Arbeitsgruppe zur Steuerstrukturreform behandelt wird“, sagte Krainer der Tiroler Tageszeitung. Im Zuge des Sparpakets sollen alle Bevölkerungsschichten ihren Beitrag leisten, deshalb betonte Krainer hier auch die „symbolische Wirkung einer möglichen Neuregelung“. Für die Sportler sei es jedenfalls ein Privileg, wenn sie nur ein Drittel der Steuerleistung eines Normalbürgers zahlen, ergänzte Krainer.
Im Finanzministerium selbst gab man sich auf Nachfrage skeptisch, ob eine Neuregelung auch zu Mehreinnahmen für den Staat führen werde. Durch diese Pauschalregelung können die Spitzensportler schon im Ausland getätigte Steuerleistungen im Inland nicht zum Abzug bringen. „Zudem wird mit diesem günstigen Steuersatz verhindert, dass sich Sportler überhaupt nach Monte Carlo oder in ein anderes Steuerparadies absetzen“, heißt es aus dem Büro der Finanzministerin.
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