Tödliche Reise in die äthiopische Wüste - Oberösterreicher starb
Ein 56-jähriger Hobbyfotograf aus Oberösterreich starb ebenso wie zwei Deutsche und zwei Ungarn.
Von Carola Frentzen
Addis Abeba – Es sollte ein Abenteuertrip in eines der abgelegensten Gebiete der Erde werden. Dann aber kamen Bewaffnete aus der Dunkelheit der Danakil-Wüste und eröffneten das Feuer auf die internationale Reisegruppe. Zwei Deutsche, zwei Ungarn und ein Österreicher überlebten den Trip ins äthiopisch-eritreische Grenzgebiet nicht. Für zwei weitere Deutsche sowie zwei äthiopische Begleiter geht das Grauen womöglich weiter: Sie wurden entführt, sagt der äthiopische Regierungssprecher Bereket Simon. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte diese Angaben bisher nicht bestätigen.
Zwischen den beiden Nachbarländern brodelt schon lange ein Konflikt: 1962 von Äthiopien annektiert, erreichte Eritrea erst 1993 seine Unabhängigkeit. Damit verlor Äthiopien jeglichen Meereszugang, auch die Grenzen blieben unklar. 1998 spitzte sich die Lage dramatisch zu, im folgenden zweijährigen Krieg kamen rund 100 000 Menschen ums Leben.
Bis heute lassen die Regierungen beider Staaten keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. So beschuldigt Addis Abeba den Nachbarn, im Januar 2011 einen Anschlag auf das jährliche Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt geplant zu haben, der nur knapp habe vereitelt werden können.
Regierungssprecher Simon nennt den neuerlichen Zwischenfall eine gezielte Aktion, denn in der kommenden Woche startet in Addis Abeba wieder eine große AU-Konferenz: „Eritrea will die gesamte Region destabilisieren“, sagte er. Ein weiteres Ziel des Angriffs, den er von der Regierung in Asmara ausgebildeten Banditen vorwirft, sei die äthiopische Tourismusindustrie gewesen. Diese hatte in dem ehemaligen Krisenland am Horn von Afrika erst in den vergangenen Jahren an Fahrt gewonnen.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum Touristen immer wieder die seit Jahren bestehenden Reisewarnungen in das Gebiet ignorieren. In den vergangenen Jahren kam es dort mehrmals zu Überfällen und Entführungen, die jedoch meist glimpflich endeten. Die Region - einer der heißesten Orte der Welt - liegt fernab der üblichen Touristenrouten in Äthiopien, ist schwer zugänglich, in der Regenzeit kaum befahrbar und äußerst unwirtlich. Eine Reise in diese Wüste gleicht einer anstrengenden Expedition. Dennoch: Die Region hat trotz aller Risiken ihre Reize.
„Dieses sogenannte Afar-Dreieck ist wunderschön, weshalb ich selbst schon dorthin gereist bin“, sagt ein belgischer Fotograf, der seit sieben Jahren in Äthiopien lebt. „Wenn das Gebiet so gefährlich ist, warum vergibt die äthiopische Regierung dann nach wie vor so einfach die notwendigen Genehmigungen, um dorthin zu fahren?“ Er fügte hinzu, er hoffe, die Behörden würden nun die Zahl der zugelassenen Reisenden in die Region eingrenzen: „Denn der zunehmende Tourismus hat in der Danakil schon viel Schaden angerichtet.“
Der Kanadier Xavier Furtado, der in Addis Abeba arbeitet, hatte für dieses Jahr eine Tour geplant. „Das werde ich jetzt natürlich nicht machen, aber irgendwann in der Zukunft möchte ich die Danakil besuchen. Ich habe viele Fotos gesehen, die Region ist spektakulär, und einige Freunde von mir waren da und hatten keinerlei Probleme.“
Die Danakil-Senke oder Danakil-Depression liegt bis zu 110 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit auch einer der tiefsten Orte der Erde. Zahlreiche einzigartige Naturwunder sind zu besichtigen, darunter Salzseen und der Vulkan Erta Ale, in dessen Krater ein See aus feuriger Lava brodelt. In der Nähe dieses „Berges, der raucht“ - wie die Übersetzung des Namens heißt - soll sich der Überfall ereignet haben. (dpa)
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