Bühne

Vom Schlafen können sie nur träumen

Indirekte Burnout-Betrachtung für die Bühne: Im Kellertheater wird nach Kathrin Rögglas Anleitung bis zum Umfallen gejobbt.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Früher ging man am Sonntag in die Messe – heute wird der Tag des Herrn gern auf Messen verbracht. Wer in seinem Job weiterkommen will, pfeift auf die Freizeit – und ordnet sich lieber dem Erfolgsdiktat unter. Dass dieses „geisteskranke Arbeitszeiten“ nach sich zieht, mag zwar stimmen, ist aber nun einmal nicht zu ändern.

Das glauben zumindest die tragischen Helden von Kathrin Rögglas Roman „Wir schlafen nicht“, der von Regisseur Elmar Drexel für das Kellertheater dramatisiert wurde. Und wortgewaltig mit der Burnout-Thematik spielt. Als Bühnensprache wählt Drexel – wie in der Romanvorlage – die mit Konjunktiven gespickte indirekte Rede. Was spannend klingt, bringt für den Zuseher aber durchaus beschwerliche Momente mit sich: Die Flut an verschachtelten Möglichkeitsformen raubt dem Drama streckenweise die Lebendigkeit.

Fabelhaft spritzig ist dafür die Entscheidung für Live-Musik, die vom Vater-Sohn-Gespann Frajo und Jakob Köhle auf die Bühne gezaubert wird. In weiße Kochwesten und -mützen (Kostüme: Andrea Spiegel) gewandet, grooven sich die beiden durch den Business-Jargon und bringen melodisch Botschaften wie „wer versagt, wird abgesägt“ oder „wer nicht spurt, wird eingespart“ ins Spiel, das von der Autorin selbst eröffnet wird. Die Videoeinspielung einer Röggla-Lesung führt in die Handlung ein, die in der Kantine eines Messegeländes vonstatten geht. Ähnlich unterkühlt wie die blütenweiße Bühne (Ralph Reisiger) agieren auch die vier Arbeitstiere, die nicht zugeben wollen, dass ihnen 16-Stunden-Tage, Endlos-Meetings und Kündigungsängste an die Nieren gehen. Burnout-Gefahr? Pfff!

Was den Partner (Johannes Gabl), die Key Account Managerin (Claudia Widmann), den Senior Associate (Walter Ludwig) und die Praktikantin (Andrea Sachs) verbindet, ist der permanente Schlafmangel, der wiederum als Leistungsorden angesehen wird. Am Kantinentisch rühren sie in ihren Espressi, degustieren diverse Mineralwässerchen und naschen Sushi – weil‘s schnell geht und in ist. Doch die Coolness ist bloß Fassade, die zusehends abbröckelt und in einer Tragödie endet, die irgendwie komisch wirkt. Während Gabl, Widmann und Ludwig als Business-People überzeugen, bleibt Sachs trotz roten Kostüms ziemlich farblos. Noch ein Tipp: Das Stück ausgeschlafen anschauen!