Syrien

Auf dem Weg zum Bürgerkrieg

Weder die Arabische Liga noch der Westen konnten bisher die Gewalt des syrischen Regimes stoppen. Jetzt greifen die Aufständischen immer häufiger selbst zu den Waffen.

Damaskus –Der anfangs gewaltlose Aufstand gegen das syrische Regime von Bashar Assad stehe an der Kippe zum bewaffneten Kampf, berichtete die Washington Post. Als Wendepunkt feierte die Opposition am Mittwoch einen Waffenstillstand mit jenen Regierungstruppen, die die Bergstadt Sabadani an der Grenze zum Libanon belagert hatten. „Das bedeutet, dass wir uns verteidigen und selbst die Freiheit bringen können, wenn wir uns bewaffnen“, zitierte das Blatt den Dissidenten Kamal Labwani. Syrische Aufständische und Deserteure behaupten, sie hielten neben Sabadani noch drei Dutzend Orte unter Kontrolle.

Ein Grund für den bewaffneten Kampf soll die mangelnde Hilfe aus dem Ausland sein. Die Beobachtermission der Arabischen Liga konnte die Gewalt des Regimes gegen Demonstranten nicht stoppen, und in der UNO blockieren Russland und China jede internationale­ Intervention. Der russische Außenminister Sergei Lawrow bezeichnete die Vorgänge in Syrien am Mittwoch als interne Angelegenheit. Jedes Eingreifen­ von außen sei gefährlich und kontraproduktiv.

Tatsächlich soll jedoch das Gegenteil der Fall sein. „Bisher gibt es keinen Bürgerkrieg, aber wenn die internationale Gemeinschaft weiterhin nur zuschaut, dann wird es einen geben“, zitierte die Post den Aktivisten Omar Shakir. „Die Leute­ begreifen, dass es keine Hilfe geben wird, und werden immer wütender“, warnte der Aktivist Rami Jarrah. Die Menschen würden deshalb zunehmend­ Hass auf den Westen­ entwickeln.

Die Opposition ist zerstritten und nur geeint im Ziel, Assad zu stürzen. Nutznießer könnten die Islamisten sein. Sie haben­ in Syrien bisher kaum eine Rolle gespielt, verfügen aber als einzige Oppositionsgruppe über eine gute Organisation. „Bis vor einem Monat hat niemand die Muslimbrüder unterstützt. Aber heute würden wir sogar Israel unterstützen, wenn es uns hilft, Assad abzusägen“, erklärte Shakir.

Als Helfer versagt hat bisher­ auch die Arabische Liga, deren­ Beobachtermission am Donnerstag offiziell endete. Am Abend sollte der Leiter der Mission, Mohammed al-Dabi, der Liga in Kairo Bericht erstatten. Am Wochenende will die Liga über das weitere Vorgehen entscheiden. Es zeichnete sich jedoch bereits ab, dass die Beobachtermission verlängert wird – nach einer Schulung durch die UNO.

Kritiker werfen den Beobachtern vor, sich vom Assad-Regime instrumentalisieren und täuschen zu lassen. In einigen Fällen hätten die Sicherheitskräfte sogar von den Beobachtern gesammelte Informationen genutzt, um Aktivisten aufzuspüren, sagte ein Sprecher der Aufständischen.

Eine Allianz aus 145 arabischen Menschenrechtsgruppen hat deshalb den Abzug der Beobachter aus Syrien gefordert. An ihrer Stelle müsse endlich der UNO-Sicherheitsrat aktiv werden. Nach UNO-Schätzungen sind in Syrien bisher mindestens 5000 Menschen umgekommen. Die UNO wirft dem Assad-Regime unter anderem willkürliche Exekutionen von Zivilisten, Massenverhaftungen und systematische Folter vor. (floo)