Lampenfieber am glatten Parkett
Die Ballsaison steuert ihren Höhepunkten entgegen – Uni-Ball, Wirtschaftsball und Bauernbundball werden für die gesellschaftlichen Glanzlichter sorgen. Nicht ganz einfach für Ball-Neulinge, sich auf dem spiegelglatten Parkett zurechtzufinden. Etikette-Papst Thomas Schäfer-Elmayer gibt Tipps.
Von Stefanie Kammerlander
Alles Walzer – Der Mann, der diesen Ausspruch so richtig populär gemacht hat, ist Tanzschulleiter Thomas Schäfer-Elmayer. Bei zahlreichen Opernball-Eröffnungen war ihm stets anzumerken, dass er sich in dieser Umgebung so wohl fühlt wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser.
„Vermutlich ist Schäfer-Elmayer bereits mit Lackschuhen zur Welt gekommen“, versucht ein junger Zillertaler sein eigenes Dilemma zumindest mit einem halbwitzigen Anstrich abzufedern. Er muss mit Freundin Lisa und deren Eltern den Uni-Ball besuchen. Der Tisch ist reserviert, die Karten sind bestellt. „Es gibt kein Entrinnen mehr“, stöhnt der 23-jährige Martin. Dem Mann kann zumindest ein bisschen geholfen werden. Thomas Schäfer-Elmayer verrät die wichtigsten Ballregeln.
„Festliche Kleidung macht einen Ball erst zu einem Fest. Deshalb sollte sie den Wünschen der Veranstalter entsprechen und während des ganzen Ballbesuchs intakt bleiben“, hilft der Etikette-Experte weiter. Tiefes Dekolleté und Beinschlitz seien erlaubt, „es sollte aber nicht ordinär sein, sondern elegant“. Männer müssen vor allem schwitzen – dennoch dürfen Jacke oder Sakko auf keinen Fall abgelegt werden, da das Hemd alleine nicht festlich genug sei. Pünktlichkeit ist seiner Erfahrung nach ein Punkt, der besonders leicht einzuhalten ist. „Dadurch wird verhindert, dass man gestresst und abgehetzt ist.“ Außerdem ist es viel netter, wenn der Herr seine Dame zum Ball abholt und beide gemeinsam zum Balllokal fahren. Die Dame steigt dann an der Gehsteigseite aus dem Auto, während ihr der Herr die Tür aufhält. Er öffnet ihr auch das Eingangstor und hilft ihr an der Garderobe aus dem Mantel.
Bis zu diesem Punkt hat unser Ball-Neuling keine Probleme. Ein Freund leiht Martin seinen eleganten Abendanzug, pünktlich ist er ohnehin und seine Lisa holt er mit allergrößtem Vergnügen zuhause ab. Kopfschmerzen bereitet ihm allerdings, dass er bisher alle Tanzkurse verweigert hat. „Walzer funktioniert nur, wenn ich mich gut konzentriere“, gibt der Zillertaler Naturbursch etwas kleinlaut zu. Nach Schäfer-Elmayer gehört aber Tanzen bei einem Ball einfach dazu. „Ist man in einer Gruppe, so sollte jeder Herr wenigstens einmal mit jeder Dame tanzen.“ Und wie fordert der Herr die Dame richtig auf? Disco-Manieren haben bei einem Ball nichts verloren. Das in Discos verbreitete kurze Kopfnicken über einige Meter hinweg, das der Dame einen Tanz in Aussicht stellen soll, ist schon in Land-Discos ein Fauxpas und in Ballsälen die Blamage schlechthin.
„Darf ich um den nächsten Tanz bitten?“, so lautet die korrekte Aufforderung zum Tanz. Zigarette am Tanzparkett ist übrigens ein absolutes Tabu, ebenso wie der Kaugummi. Auf dem Tanzparkett führt der Mann die Dame. Sollte er besser tanzen, so passt er sich der Partnerin an. Der Tanz soll auf keinen Fall zur Lehrstunde ausarten.
„Das wird verlässlich nicht passieren“, lacht der Zillertaler. Er hat sich schon eine Tanzstrategie zurechtgelegt: „Mit meiner Freundin tanze ich zu den ,Schleichern‘ und sonst warte ich ab, bis ein Walzer kommt“, tankt er langsam wieder Selbstvertrauen.
Nach dem Tanz führt der Galan die Dame zurück an ihren Platz und rückt ihr den Stuhl zurecht. „Das ist eines von vielen Zeichen des Res-pekts, das die Atmosphäre und die Lebensqualität verbessert“, sagt Thomas Schäfer-Elmayer.
Trifft man auf andere, teils unbekannte Gäste, wird der Herr der Dame, der „Untergebene“ dem Höherrangigen, der Jüngere dem Älteren zuerst vorgestellt. Die Begrüßung deutet man zuerst durch Kopfnicken oder einen verbalen Gruß an, erst danach reicht die Dame beziehungsweise der hierarchisch gesehen Höhergestellte die Hand. Kommt jemand zu Besuch an den Tisch, erheben sich Männer und Frauen zur Begrüßung.
Geld spielt natürlich auch beim Ball eine große Rolle. Ist ja schließlich ein Vergnügen, das mitunter ein Loch ins Haushaltsbudget reißen kann. „Grundsätzlich muss der Herr bezahlen“, erklärt der Herr der Etikette. „Aber es spricht nichts dagegen, die Rechnung zu teilen oder ganz der Dame zu überlassen, wenn dies im Vorhinein so vereinbart ist.“
Im Fall unseres Zillertalers sind die Fronten schon im Vorfeld geklärt. Die Schwiegereltern in spe haben die Ballkosten übernommen und auch im Vorfeld verkündet, dass sie zum Galadiner laden.
Tischmanieren zur Erinnerung: Beim Essen legt man die Serviette einmal gefaltet auf den Schoß – mit der offenen Seite zum Körper. Sekt- und Weingläser hält der Ballbesucher am Stiel. Vor jedem Schluck sollte der Mund mit der Serviette abgetupft werden. Kleine Missgeschicke wie das „Anpatzen der Kleidung“ sollten in Gesprächen gleich entschuldigend erwähnt werden. „Wenn man selbst etwas falsch macht, so muss man sich entschuldigen und der andere sollte die Entschuldigung annehmen“, klärt der Benimmexperte auf.
Die wichtigste Voraussetzung für einen gelungenen Ball ist gute Stimmung: Es gebe leider immer mehr Leute, die beim Ball auf einen Unterhalter warten, kritisiert Schäfer-Elmayer. „Man sollte auf einen Ball gehen und gute Laune mitbringen.“
„Versprochen“, meint dazu unser Ball-Neuling. Die kommenden Tage möchte Martin übrigens noch zum Tanzen nützen – die Mama wird mit ihm üben.
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