Kultur als bunter Hoffnungsträger
Seit 1985 wird jährlich mindestens eine europäische Stadt zur Kulturhauptstadt ernannt. 2012 geben sich Maribor und Guimarães die Ehre.
Innsbruck –Die Vorbereitungen sind getroffen, die damit einhergehenden Querelen ausgestanden. Sloweniens zweitgrößte Stadt Maribor präsentiert sich gemeinsam mit fünf Partnerstädten als Kulturhauptstadt. Ein paar tausend Kilometer westlich hat die portugiesische Stadt Guimarães als bisher kleinste Kulturhauptstadt seine Funktion aufgenommen. Bis 2019 hat sich der europäische Rat noch die Regel aufgestellt, je eine Stadt aus der alten und eine Stadt aus der neuen EU auszuwählen. Ziel der Einrichtung ist es, den Reichtum, die Gemeinsamkeiten und die Vielfalt der europäischen Kultur zu zeigen und zur Verständigung der Bevölkerung beizutragen.
Das mittelalterliche Städtchen Guimarães (50.000 Einwohner), das in der Nähe von Porto liegt, hat auf seine Stadtmauer „Aqui nasceu Portugal“ geschrieben. („Hier wurde Portugal geboren.“) Damit wird an Afonso Henrique erinnert. Portugals erster König wurde um 1100 in Guimarães geboren. Einst war es die Textilindustrie, die Wohlstand bescherte. Heute sind die meisten Fabriken der Gegend geschlossen und die Arbeitslosigkeit liegt bei 20 Prozent. Dass sich Portugal in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten befindet, wird nicht geleugnet. Aber gerade deswegen will man auf Kultur setzen. Allein 25 Millionen Euro fließen in die Umsetzung des kulturellen Jahresprogramms als Kulturhauptstadt. Das neue Kulturzentrum prunkt mit einem dichten Musikprogramm, es gibt ein Tanzfestival. Wichtig sind der Stadt aber nachhaltige Projekte, wie die Ansiedelung von Creative Industries in den leerstehenden Fabrikgebäuden.
Maribor (120.000 Einwohner) muss mit einem Programmbudget von 21,5 Millionen Euro auskommen. (Essen verfügte 2010 über 40 Millionen Euro). Die Kulturereignisse sollen die ehemalige Industriestadt in einer neuen Identität als Auto- und Tourismusstadt zeigen. Dabei wird auch eine Beschäftigung mit den kommunistischen und Habsburger Wurzeln angestrebt. So wurde gerade in Wien das erste ausländische Kulturzentrum überhaupt eröffnet. Ein Höhepunkt soll im Herbst die Ausstellung der Londoner Tate Gallery sein. Trotz abgespeckter Erwartungen rechnet die Organisation mit rund einer Million Besucher in Maribor. Guimarães hofft auf 1,5 Millionen Besucher. Die Gästelisten sind auf beiden Seiten bunt. Einer, der in beiden Städten erwartet wird, ist der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa. (sst, dpa, APA)
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