„Cool in Pink“: Ärzte warnen vor „harmlosem“ Nikotinkonsum
Ungenügende Rauchverbote, Erwachsene als schlechte Vorbilder und neue, verlockende Trends: Wie Jugendliche regelrecht zum Tabakkonsum verleitet werden.
Von Michaela Spirk-Paulmichl
Innsbruck, Wien –Zigaretten mit Himbeer-, Schokolade- und Vanillegeschmack oder extra-schlank und ganz in Pink – „for girls only“, wie es heißt: Die heranwachsende Rauchergeneration ist versorgt. Menthol als Inhaltsstoff lindert das Kratzen im Hals und erleichtert tiefes Inhalieren. Leichter als andere Sorten werden trendige Zigaretten als vermeintlich harmlos empfunden, von manchen sogar als unschädlich. Doch Ärzte warnen, auch angesichts der dramatisch steigenden Zahl der jungen Raucher in Österreich. Laut einer Untersuchung des Gesundheitsministeriums greifen im Alter von 15 Jahren bereits 19 Prozent der Burschen und über 21 Prozent der Mädchen täglich zur Zigarette. Besonders der Anteil der Mädchen hat massiv zugenommen.
Eine Einstiegsdroge ist für Elisabeth Horak, Leiterin der Lungenambulanz an der Kinderklinik Innsbruck, die auch bei uns ganz im Trend liegende Wasserpfeife. „Man raucht sie gemeinsam in Lokalen, das hat auch geselligen Charakter.“ Durch den Wasserdampf falle das Inhalieren leichter, der Tabak in verschiedenen Sorten sei angenehm süß. „Doch es ist ein Irrglaube, dass Wasserpfeifen unschädlich sind. Vermutlich sind sie nicht weniger gefährlich als Zigaretten“, warnt die Ärztin.
Etwa 80 Prozent der Patienten an der Lungenambulanz der Innsbrucker Kinderklinik haben Asthma. Eine der Ursachen dafür: Passivrauch. Eine Untersuchung in hundert Tiroler Kindergärten ergab, dass rauchende Frauen ihren Tabakkonsum zumindest einschränken, wenn sie ein Kind erwarten. Nach der Geburt allerdings gehen viele wieder ihrer Sucht nach. Horak: „Während der Schwangerschaft und des ersten Lebensjahrs gibt es ein deutlich erhöhtes Risiko für das Kind, an Asthma zu erkranken oder Allergien zu bekommen.“ Säuglinge werden durch die Giftstoffe in der Milch ihrer rauchenden Mutter belastet. „Fast die Hälfte der Säuglinge und Kleinkinder sind Raucher“, zitiert die Ärztin die Schweizer Krebsliga, die eine Untersuchung zum Thema Passivrauch provokant darstellte.
Auffallendes Detail der Tiroler Studie: Mit der Schulbildung nimmt auch der Tabakkonsum ab. Finden sich unter den Eltern, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, noch über 45 Prozent Raucher, sind es bei jenen mit Studienabschluss nur noch etwas über zehn Prozent. Unter den Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, haben über 20 Prozent einen Pflichtschulabschluss, fünf Prozent sind Akademikerinnen.
Kinder aus Raucherhaushalten sind doppelt benachteiligt – einerseits durch das Passivrauchen, durch das fehlende Vorbild sind sie später aber auch gefährdeter, selbst zum Glimmstängel zu greifen. „Eltern vermitteln so, dass es ganz normal ist zu rauchen“, sagt Horak und zitiert Karl Valentin: „Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“
Aber auch Gruppenzwang und nicht ausreichende Verbote machen es Jugendlichen schwer, zu verzichten, die Ärztin spricht sich deshalb dafür aus, nicht rauchende Jugendliche speziell zu bewerben. „Doch derzeit schaffen wir es nicht einmal, rauchfreie Lokale zu schaffen.“ Und man solle ja nicht glauben, dass getrennte Räume eine Verbesserung bringen: „Rauch dringt durch jede Ritze, durch jedes Schlüsselloch.“ Nichtraucherschützer Robert Rockenbauer sprach sich zuletzt nicht nur für ein generelles Rauchverbot in Lokalen aus, sondern auch für rauchfreie Haushalte, wenn dort Kinder leben: Sie müssten ausreichend geschützt werden. In einer Pressekonferenz in Wien sagte der Arzt Manfred Neuberger kürzlich: „Nur die Tabakindustrie profitiert davon, dass Kinder in Lokalen Anschauungsunterricht erhalten und Jugendliche zum Rauchen verführt werden.“
Laut einer Studie rauchen vor allem Jugendliche, die zu Hause oder in der Schule Probleme haben. Schon rund fünf Prozent der Volksschüler in Österreich greifen zumindest versuchsweise zur Zigarette, weil sie Rauchen cool finden oder von Freunden dazu überredet werden.
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