In wenigen Jahren werden eigene Harmonikas gebaut

Die erste Gewerbeanmeldung im Jahr 2012 in der WK Reutte war extravagant: Heinrich Schedler suchte für den Harmonikabau an.

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Höfen –Allein 278 neue Gewerbescheine wurden im vergangenen Jahr bei der Wirtschaftskammer Reutte ausgestellt, insgesamt sind im Außerfern exakt 2102 in den Büchern geführt. „Heuer gesellten sich bis 20. Jänner schon 30 neue Unternehmen dazu“, nennt Reuttes Kammerchefin Graziella Herzog beeindruckende Zahlen. Die aktuelle Nummer eins – zeitlich gesehen – wird in einer ganz besonderen Nische tätig sein. Der Hägerauer Heinrich Schedler meldete zum Jahresbeginn das Gewerbe des Harmonikabauers an.

Die Zeit drängte, denn sein 16-jähriger Sohn Dominik sollte sofort nach den Weihnachtsferien mit der Lehre beginnen können. Er ist nun der einzige Lehrling Österreichs, der diesem Ausbildungszweig des Musikinstrumentemachers in der Berufsschule in Wien nachgeht.

Heinrich Schedler ist der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Michlbauer, die seit zehn Jahren darauf spezialisiert ist, die Musik der Steirischen Harmonika, auch bekannt als Diatonische Handharmonika, zu verbreiten. Mit besonderen Unterrichtsmethoden in der Griffschrift Florian Michlbauers wird Interessierten das Instrument – lange Zeit vollkommen ohne Noten – nähergebracht. In Österreich werden aktuell 1500 Anfänger unterrichtet. Allein im Bezirk Reutte greifen gerade 130 Schüler in die vierreihigen Knöpfe. 90 Prozent der Unterrichteten sind erwachsen. Die Firma, die in Höfen bei Koch/Artpress eingemietet ist und dort acht Mitarbeiter beschäftigt, hat in Österreich 37 Lehrer unter Vertrag. Michelbauers Notenausgaben wurden im deutschsprachigen Europa schon 250.000-mal verkauft.

Die eigentliche Harmonikaproduktion wird nicht sofort gestartet. Schedler rechnet mit zwei bis drei Jahren Vorlauf. Zuerst soll sein Sohn die Lehre abschließen. Eine Servicewerkstätte wird hingegen umgehend in Höfen eingerichtet. Alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit Österreichs ältestem Harmonika­erzeuger Novak aus Klagenfurt. Heinrich Schedler hat schon den Exklusiv-Vertrieb von Novak übernommen, die alteingesessene Firma soll eines Tages folgen – so die Planung.