Liebe auf polierten Kufen

Vor dem morgigen Start (11 Uhr) sorgt der Zweierbob-Bewerb für Diskussionen.

Von Roman Stelzl

Innsbruck –Die große Liebe entdeckte Robert Ofensberger an einem Sommertag des Jahres 2010. Auf einem Stadtfest in Oberösterreich schlenderte der heute 18-jährige Salzburger gemütlich zwischen den Ständen herum, als sie plötzlich vor ihm stand. Die große Liebe, der Bob des österreichischen Teams. „Das war ein großer Zufall. Ich habe es probiert, es hat mir sofort gefallen“, erinnert sich Ofensberger an die Stadtfest-Rekrutierung.

Eineinhalb Jahre danach jagt der HAK-Schüler als Bremser mit seinem Teamkollegen und Lenker Benjamin Maier (17) aus Rum im Zweierbob durch den Eiskanal von Igls. Dass die maximal 220 Kilogramm schweren Gefährte über 130 km/h erreichen, ruft seit Monaten Kritiker aus aller Welt auf den Plan. Ihre Argumente: Die Athleten seien zu jung, um solchen Gefahren ausgesetzt zu werden. Maier: „Ich mache den Sport seit drei Jahren. Es schaut alles sehr gut aus.“

Dass Zweierbob bei den Olympischen Jugendspielen morgen (11 Uhr, Igls) überhaupt ausgetragen wird, geht auf den Weltverband FIBT zurück. Als nämlich die YOG vor zwei Jahren vergeben wurden, wollte der Bobsport, bei dem Piloten ohne elterliche Erlaubnis nicht unter 18 Jahre alt sein dürfen, unbedingt Teil davon sein. Damals gab es noch keine Bewerbe für die Jugendlichen. Und so wurden im Schnellverfahren Rodler, Skeleton-Piloten (Maier) oder andere (Ofensberger) zu Bobpiloten umgeschult.

„Die Kritiker liegen falsch, wir bereiten unsere Athleten seit Jahren systematisch vor“, entgegnet Österreichs Nationaltrainer Wolfgang Maier. Sein Sohn Benjamin versuchte sich mit seiner Erlaubnis bereits mit 14 Jahren im Bob, ein Programm zur Förderung laufe seit 2001. Das Übel liegt laut Maier woanders: „Die Trainer handeln teilweise verantwortungslos. Das US-Team beispielsweise poliert die Kufen im Training für ein maximales Tempo und sagt dann bloß: ‚Nehmt es locker.‘“ In Blickrichtung Wettkampf gibt es hierfür aber Entwarnung: Im Rennen selbst sind die Trainer bei der Bobpräparierung an strikte Richtlinien betreffend Gewicht und Geschwindigkeit gebunden. Einziges Risiko: Übermut und Unerfahrenheit der Athleten.

Davon wollen die Österreicher aber nichts wissen. Nach vier Trainingsläufen (gestern mussten die letzten Läufe abgesagt werden) in Igls ohne gröbere Unfälle geben sich Maier/Ofensberger nach einem dritten und vierten Platz hochmotiviert. Das Damen-Duo muss derweil aufgrund einer Verletzung von Julia Glantschnig aus Thaur auf einen Start verzichten.