Mit Visionen der Krise gegensteuern
Über das Bauchgefühl von Unternehmern, sexy Anlageprodukte und die besten Strategien in einem spannenden Marktumfeld diskutierten Topmanager und Unternehmer beim Wirtschaftsgipfel „KitzBizz“.
Von Beate Troger
Kitzbühel –Wirtschaft zu treiben in einem Umfeld, das sich immer noch rasanter wandelt, das war das zentrale Thema bei der dritten Auflage des Wirtschaftsgipfels KitzBizz am Fuße des Hahnenkamm. Signa-Holding-Boss René Benko und die Wüstenrot-Chefin und ehemalige Vizekanzlerin, Susanne Riess, gaben dabei ebenso Einblicke in ihre Visionen und Erfolgsrezepte wie TUI-Vorstandschef Michael Frentzel und VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Für die vier Wirtschaftskapitäne steht fest: Risikobereitschaft und Visionen sind ein fester Bestandteil des Unternehmertums. So ist es für den 34-jährigen Immo-Investor René Benko heute finanziell zwar einfacher, große Ideen in die Realität umzusetzen. Doch für den Innsbrucker, der ein Immobilien-Portfolio mit einem Volumen von 4,5 Mrd. Euro managt, ist auch die Verantwortung gewachsen: „Am Anfang kann man als kleiner Unternehmer sicher etwas leichtsinniger agieren“, gab er zu. Durchhaltevermögen und Spaß an visionären Projekten gelten für ihn als essentiell: „Unternehmertum hat auch ganz viel mit Bauchgefühl zu tun“, verriet er.
„Die Welt verändert sich in einem dramatischen Ausmaß“, sagte TUI-Boss Frentzel. Wie die Menschen in zehn Jahren reisen, wisse heute noch niemand. Getrieben von Quartalsergebnissen und immer schärferen Regulierungen sei der Raum für Ideen und Innovationen sehr klein geworden. Er ließ im Unternehmen Inseln schaffen, in denen neue Denkansätze interdisziplinär vorangetrieben werden: „Man muss Freiheiten und auch Fehler zulassen“, stellte der Chef des weltgrößten Reisekonzerns mit 65.000 Mitarbeitern und 30 Mio. Kunden klar.
Susanne Riess sorgt sich hingegen, dass die Finanzwirtschaft aufgrund scharfer Regulierungen künftig nicht mehr in der Lage sein wird, unternehmerische Visionen zu finanzieren. Damit drohe die Realwirtschaft in Folge der Krise auszutrocknen. „Wir brauchen frische Ideen“, sagte die Wüstenrot-Generaldirektorin. Ihr Erfolgsrezept sei einfach und an Apple-Gründer Steve Jobs angelehnt: „Wir haben ein ganz simples Produkt, das der Kunde versteht“, erklärte sie, „auch wenn Bausparen eine Zeitlang nicht sehr sexy war.“ Letztlich habe Wüstenrot von der Krise aber stark profitiert: „Die Menschen suchen heute Sicherheit“, erläuterte Riess. Sie ortet aber auch ein „Versagen der Politik“, wenn diese für junge Menschen keine Altersvorsorge mehr bereitstellen kann.
Eine solide und stabile Eigentümerstruktur ist hingegen für den Volkswagen-Konzern die Basis, um quer über alle Marken des Hauses spannende Innovationen zu ermöglichen, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch ausführte. Obwohl derzeit die Elektroautos die öffentliche Debatte dominieren, geht der VW-Vorstand davon aus, dass bis 2020 nur etwa drei bis fünf Prozent aller Autos mit Strom betrieben werden. Bei Volkswagen denkt man bereits einen Schritt weiter: Ein so genannter Plug-In-Hybrid soll die Vorteile des Verbrennungsmotors mit jenen des Elektroantriebs vereinen.
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