„Ich muss nicht mehr siegen, ich darf“
Mit je vier Abfahrtserfolgen teilen sich Franz Klammer und Didier Cuche die Vorherrschaft auf der Streif. Die ÖSV-Meute hat andere Sorgen und möchte just beim Heimspektakel der Sieglosigkeit ein Ende setzen.
Von Max Ischia
Innsbruck –Der schneeweiße Teppich ist ausgerollt und der „König von Kitz“ weiß um seine Chance. Seine letzte Chance. Sollte das Wetter heute mitspielen und Didier Cuche auf seiner geliebten Streif nach 1998, 2008, 2010 und 2011 der fünfte Abfahrts-Coup gelingen, würde er keinen anderen als den „Kaiser“ vom Thron stoßen. Franz Klammer hatte 1975, 1976, 1977 und 1984 die rotweißrote Volksseele in Ekstase versetzt.
Zusätzlichen Druck verspürte Cuche deswegen keinen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich gewinnen muss. Ich darf noch einen Sieg holen, ich darf den Rekord aufstellen. Ich werde versuchen, eine freche Linie zu fahren. Dann werde ich die Ziellinie überqueren und schauen, ob es grün von der Anzeigentafel leuchtet.“ Und sollte es nicht klappen, würde das an seiner Liebesbeziehung zu Kitzbühel rein gar nichts ändern. „Ich werde immer stolz darauf sein, was ich hier erreicht habe. Und dann werde ich eben mit Franz gemeinsam warten, bis uns ein anderer übertrifft.“
Klammer sieht die ganze Sache ähnlich entspannt: „Rekorde sind doch dazu da, um gebrochen zu werden. Aber Cuche wäre in jedem Fall ein verdienter Sieger und Rekordhalter. Aber ich wäre ihm auch nicht böse, wenn er es nicht schafft“, fügte er schmunzelnd hinzu.
Gut lachen hatte zuletzt einer, der vielleicht eines Tages in deren Fußstapfen treten könnte: Beat Feuz. Mit dem Schweizer Himmelsstürmer, der sich zuletzt mit seinem Sieg am Lauberhorn einen Kindheitstraum erfüllt hat, ist in jedem Fall zu rechnen. Auch wenn er in den Trainings keine führende Rolle gespielt hatte. „Auf der Streif ist es besser, du riskierst nur einmal dein Leben – und das ist im Rennen“, meinte der 24-Jährige vielsagend.
Die in diesem Winter noch sieglosen ÖSV-Speed-Herren wollen just beim großen Heimklassiker die Trendumkehr einläuten und die fünfjährige Abfahrtsdurststrecke auf der Streif (2006 siegte Michael Walchhofer) beenden. Kandidaten dafür gibt es viele. Am heißesten werden Klaus Kröll und Hannes Reichelt gehandelt. Aber auch die beiden Tiroler Mario Scheiber und Romed Baumann präsentierten sich in diesen Kitz-Tagen gut in Schuss.
„Es hängt da herunter halt auch immer viel mit dem Wetterbericht zusammen“, sagte Kröll, erst recht in Tagen wie diesen. Und doch macht ein Blick auf die Ehrentafel deutlich, dass auf der Streif Zufallssieger so gut wie ausgeschlossen sind. Mit Maier, Eberharter, Rahlves, Walchhofer, Cuche und Defago hatten in den vergangenen zehn Jahren die Allergrößten ihrer Zunft die Skispitze voran.
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