Gesellschaft

Gedenken an Wannsee-Konferenz

Deutschland hat am Freitag des 70. Jahrestages der Wannsee-Konferenz gedacht, bei der 1942 führende Nazi-Funktionäre über den Judenmord berieten. Bundespräsident Wulff äußerte bei der Gedenkfeier „Scham und Zorn“ über die Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios. Niemand habe es für möglich halten wollen, dass es dies in Deutschland heute noch gebe, sagte Wulff.

Auch er selbst habe erste Warnungen vor rechtsextremistischer Gewalt zunächst für übertrieben gehalten, sagte Wulff. „Wir werden alles tun, damit Terror und mörderischer Hass auf Fremde und Fremdes in Deutschland nie mehr Platz haben.“ Die Zwickauer Neonazis sollen zwischen 2000 und 2006 neun türkisch- und griechischstämmige Einwanderer ermordet haben.

Am 20. Jänner 1942 waren in der Villa am Wannsee im Südwesten Berlin 15 hochrangige NS-Funktionäre zusammengekommen, um die Behörden und Ministerien auf die systematische Vernichtung der europäischen Juden einzuschwören. Diese hatte zu dem Zeitpunkt schon begonnen. Der NS-Verbrecher Adolf Eichmann hielt die wichtigsten Entscheidungen in einem Protokoll fest.

„Dieser Ort und der Name Wannsee ist zum Symbol geworden für die bürokratisch organisierte Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben, für die staatlich organisierte Vernichtung“, sagte Wulf. Der Antisemitismus des NS-Staates sei genährt und gestützt worden vom Antisemitismus in der Gesellschaft. Deshalb sei es eine nationale Aufgabe, die Erinnerung an die Judenvernichtung wachzuhalten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Unglaubliche und Unvorstellbare wirklich geschehen ist“, sagte Wulff.

Der Bundespräsident sicherte den Juden in aller Welt bei Gefahr und Verfolgung die Verbundenheit Deutschlands zu. Zugleich betonte er: „Deutschland steht unverbrüchlich an der Seite Israels.“