Nigeria

Opferzahl nach Anschlägen steigt - Journalist erschossen

Bei Bombenanschlägen in Kano im Norden Nigerias sind am Freitag mindestens zehn Menschen getötet worden. Ein Journalist wurde während einer Zeugenbefragung erschossen.

Kano - Nach mehreren zeitgleichen Bombenanschlägen in der nordnigerianischen Stadt Kano steigt die Zahl der Opfer weiter. In der nordnigerianischen Stadt waren am Freitagnachmittag mindestens zehn Menschen getötet und zahlreiche andere verletzt worden. Die Zahl könne noch steigen, da viele Verletzte schwere Verbrennungen erlitten hätten, hieß es laut der Deutschen Presse-Agentur. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Anrainer und Kreise in Polizei und Gesundheitswesen sogar von mindestens 28 Toten.

Ein nigerianischer Fernseh-Journalist ist erschossen worden, als er Zeugen des Bombenanschlags in Kano befragte. Nach nigerianischen Medienberichten töteten unbekannte Bewaffnete den Journalisten.

Laut Polizei wurden bei der koordinierten Angriffsserie in Kano am Freitag insgesamt acht Orte attackiert. Darunter waren mehrere Polizeiwachen, die Residenz eines Polizeioffiziers und die Einwanderungsbehörde. Insgesamt waren 20 Explosionen zu hören, gefolgt von Feuergefechten an mehreren Orten

Die Anschläge haben „Panik und Chaos“ ausgelöst, sagte der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes, Abu Gabriel, der Nachrichtenagentur dpa. Die Behörden verhängten noch am frühen Abend eine 24-stündige Ausgangssperre über die Millionenstadt.

Die radikalislamische Sekte Boko Haram bekannte sich dem nigerianischen Fernsehen zufolge zu den Anschlägen und bezeichnete sie als „Vergeltungsmaßnahmen“ nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terror-Organisation.

„Es muss sehr viele Opfer gegeben haben, wenn man das Ausmaß des Anschlags gesehen hat“, sagte Bayo Adewumi, ein Augenzeuge der Attacken auf das Polizeihauptquartier. „Ich stehe noch immer unter Schock“, sagte er der dpa. An den Anschlägen war mindestens ein Selbstmordattentäter beteiligt - er soll nach Augenzeugenberichten seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen auf einen Parkplatz vor einer Polizeistation gesteuert haben.

Seit langem leidet Nigeria unter Terroranschlägen der Islamisten, die ihre Basis im überwiegend islamischen Norden des bevölkerungsreichsten Staates in Afrika haben. In den Weihnachtstagen und Anfang Jänner waren bei mehreren Bombenanschlägen und Überfällen auf christliche Kirchen im Norden Nigerias Dutzende von Menschen getötet und viele andere verletzt worden. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hatte vorübergehend den Ausnahmezustand über vier Regionen verhängt und die Grenzen zu Nachbarländern schließen lassen.

Vor drei Wochen hatten die Islamisten den Christen im überwiegend muslimischen Norden Nigerias ein Ultimatum gestellt. Sie sollten innerhalb von drei Tagen die Region verlassen. Die Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab. Mindestens 10.000 Christen waren nach Angaben des Roten Kreuzes aus dem Norden geflohen. (APA/dpa)