Neue Vorwürfe gegen früheren Wulff-Sprecher
Gegen den ehemaligen Sprecher des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, Olaf Glaeseker, sind weitere Vorwürfe aufgetaucht. Denn nach Informationen der Zeitung „Bild am Sonntag“ profitierte Glaeseker von seiner guten Beziehung zum Partyveranstalter Manfred Schmidt stärker als bisher bekannt. Demnach erhielt Glaeseker neben Gratis-Urlauben von Schmidt auch Gratis-Flüge.
Allein 2011 sei Glaeseker in mindestens fünf Fällen umsonst geflogen, darunter in die Türkei und nach Mallorca, berichtet die „Bild am Sonntag“. Dafür habe er Schmidts VIP-Karte von Air Berlin genutzt. Zum Zeitpunkt der kostenlosen Flüge sei Glaeseker bereits im Bundespräsidialamt für Wulff tätig gewesen. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Glaeseker und Schmidt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung. Am Donnerstag hatte die Polizei bei ihnen Privat- und Geschäftsräume durchsucht.
Laut dem Blatt war Eventmanager Schmidt einer von rund 100 Prominenten, die von Air Berlin eine goldfarbene „Counter Card Premium Plus“ erhielten. Die Inhaber dieser VIP-Karte konnten die Flugverbindungen der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands weltweit jederzeit kostenlos nutzen, und zwar auch für Familienmitglieder und Freunde. Die Airline übernahm für die VIPs auch die Versteuerung des geldwerten Vorteils bei Inanspruchnahme der Freiflug-Karte. Der neue Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn stoppte im September das Gratis-Flug-Programm.
Beinahe die Hälfte der Deutschen ist unterdessen der Ansicht, dass Bundespräsident Wulff nicht bis zum Ende seiner Amtszeit im Amt bleibt. In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin Focus sagten 46 Prozent, sie gingen davon aus, dass der von Affären gebeutelte Wulff im Amt bleibt.
Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten den früheren Ministerpräsidenten nach Bekanntwerden neuer Vorwürfe zum Rücktritt auf. „Wulff ist ein Lügner, und er sollte seinen Hut nehmen, bevor er Recht und Gesetz und Anstand noch mehr in den Dreck zieht“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Samstag im Deutschlandfunk.
Wenzel reagierte damit auf einen Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, wonach das niedersächsische Landwirtschaftsministerium entgegen den Beteuerungen der Landesregierung die private Veranstaltung „Nord-Süd-Dialog“ mit knapp 3.500 Euro unterstützte. Für das Geld und weitere Spenden privater Geber seien Bücher beschafft worden, die die Besucher der Veranstaltung als Geschenk erhielten.
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