18 Jahre an Spitze der Schauspieler
Mitglieder der Reuttener Heimatbühne sind verwundert über ihr „Nichteinbinden“ bei der Schaffung einer neuen Bühne.
Von Helmut Mittermayr
Reutte –„Auf zwei Hochzeiten kann niemand tanzen.“ Wolfgang Kotek meinte in diesem Fall, auf zwei Bühnen kann niemand spielen. Der wortgewaltige Außerferner war 18 Jahre lang Obmann der Reuttener Heimatbühne gewesen. Überraschend hat er vor Kurzem auch die Führung des 1. Außerferner Fischereivereines übernommen. Also stellte Kotek sein Amt bei den Schauspielern nach fast zwei Jahrzehnten schweren Herzens zur Disposition.
Die außerordentliche Jahreshauptversammlung im Gasthof Schwarzer Adler am Freitagabend zeigte augenscheinlich, wie eng der Zusammenhalt der Spieler ist. Eine Pointe jagte die nächste, gemeinsam wurde trotz ernster Tagesordnung viel gelacht – und jedes Votum fiel einstimmig aus. Bei der Neuwahl kam es dann zu einem Generationssprung, der neue Obmann heißt Michael Singer aus Pflach. Als seine Stellvertreterin wird künftig die Reuttenerin Christiane Budde Funktionärsarbeit leisten.
Kotek wird der Heimatbühne, bei der er seit 30 Jahren spielt, weiter erhalten bleiben. Als „einzigen Wermutstropfen seiner Laufbahn“ bezeichnete der scheidende Obmann den Umstand, dass Reutte immer noch die einzige Volksbühne Tirols sei, die für die Bühne Miete bezahlen müsse. Gemeindevertreter GV Günther Fasser (SPÖ) erklärte dazu, dass er „den Querschuss mit dem Paulusheim“ verstanden habe, aber an einem Konzept längst gearbeitet werde.
Neo-Obmann Singer wollte dann die Entwicklung im Kindergarten Tauschergasse abwarten. Möglicherweise entstehe dort eine neue Bühne. Monika Jungheinrich sah das kritischer: „Unter Führung der Marktgemeinde hat sich dort gerade ein Kleinkunstverein gebildet. Da wir nicht informiert und eingeladen wurden, wissen wir, dass wir dort nicht reinkommen werden.“ Roland Hiebl erklärte, „dass der Verein auf Initiative des Bürgermeisters entstehe und dass dies prinzipiell gut, das Nichteinbinden der Heimatbühnenmitlieder für ihn aber sehr befremdend sei“.
GV Fasser erwiderte, dass heuer wegen Geldmangels im Keller des Kindergartens gar nichts passieren werde. Es bleibe genug Zeit, um zusammenzufinden. Heimatbühnenveteran Willi Lechleitner wollte dann sogar erfahren haben, dass „sein enger Vertrauter BM Alois Oberer eine Art Oberverein zwischen Kleinkunst und Heimatbühne schaffen will, der dann die neue Bühne im Kindergartenkeller künftig gemeinsam nutzen könnte“. Offen blieb, ob der Kleinkunstverein überhaupt schon existiert.
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