Weltpolitik

Katatni neuer Präsident des ägyptischen Parlaments

Ägyptens erstes freigewähltes Parlament hat am Montag Saad al-Katatni von der Muslimbruderschaft zum Vorsitzenden gewählt. Während einer turbulenten Sitzung erhielt Katatni 399 von 496 abgegebenen Stimmen. Der 59-Jährige war bisher Generalsekretär der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Diese war von der Muslimbruderschaft nach dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak im Vorjahr gegründet worden.

Katatni ist Naturwissenschaftler, hat sich in seinen Studien intensiv mit dem Islam beschäftigt und saß für seine Überzeugung im Gefängnis. Er trägt zwar keinen Bart, hat aber auf der Stirn ein sogenanntes Gebetsmal - eine Verfärbung der Haut, die bei einigen Muslimen als Folge des häufigen Niederwerfens beim Gebet entsteht.

Katatni, der mit vollem Namen Mohammed Saad Tawfik al-Katatni heißt, stammt aus der ländlichen Provinz Minya südlich von Kairo. Dort hat er Biologie studiert. Neben seiner akademischen Karriere als Professor für Botanik und Vorsitzender der Berufsgenossenschaft der Naturwissenschaftler widmete er sich karitativen Projekten und schloss sich der offiziell verbotenen Muslimbruderschaft an. Da die Muslimbrüder unter Langzeitmachthaber Mubarak keine Partei gründen durften, kandidierte Katatni als Unabhängiger und ließ sich ins frühere Parlament wählen.

Während der Massenproteste gegen Mubarak wurde er Anfang 2011 festgenommen. Am 28. Jänner 2011 floh er gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Muslimbruderschaft aus dem Wadi-Natroun-Gefängnis. In Kairo beteiligte er sich an den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz.

Die Muslimbruderschaft (arabisch: „Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun“), die in zahlreichen islamischen Ländern Ableger hat, war 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründet worden. Sie folgt der Devise: „Gott ist unser Ziel, der Koran unsere Verfassung“. 1954 war die Muslimbruderschaft vom ägyptischen Revolutionsregime unter Gamal Abdel Nasser verboten worden, zahlreiche ihrer Führer wurden zum Tode verurteilt, danach wurde sie aber wieder vorübergehend legalisiert. Nach der Ermordung des Präsidenten Anwar al-Sadat 1981 ging dessen Nachfolger Mubarak gegen islamistische Gruppen vor.