Zehntausende sehen US-Beamten beim Stimmenzählen zu
Die Faszination des Langweiligen: Eine Webcam in Wisconsin zeigt die Überprüfung von Stimmen zu einem Volksbegehren, mit dem u.a. Gouverneur Scott Walker abgesetzt werden soll.
Madison – Immer wieder gehen namenlose Beamte ins Bild und auch wieder heraus. Sie stapeln und scannen endlose Berge von Papier. Das ist so langweilig, dass es fast schon wieder faszinierend ist. Aufgenommen wird das ganze von einer Webcam in Wisconsin, die die Überprüfung der Unterschriften zu einem Volksbegehren zeigt ( http://go.tt.com/wxoLu3 ). Dessen Ziel ist die Absetzung von Gouverneur Scott Walker und fünf anderen Republikanern. Zehntausende Menschen sehen sich dieses Prozedere an.
Die Organisatoren des Protests reichten nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche mehr als 1,9 Millionen Unterschriften ein, um die Abberufung von Walker und den anderen zu erreichen. Das sind rund drei Tonnen Papier, die nebeneinandergelegt 106 Kilometer lang wären. Und irgendjemand muss sich nun darum kümmern. Das macht der sogenannte Rechenschaftsausschuss von Wisconsin (Government Accountability Board) an einem abgeschirmten und geheimen Ort. Dort werden alle Unterschriften zu der Petition überprüft, um zu sehen, ob sie auch gültig sind - und das kann Monate dauern.
Wenn das Volksbegehren angenommen wird, kommt es zu einer sogenannten Abberufungswahl, bei der die Wähler einen gewählten Amtsinhaber vor Ende seiner Amtszeit wieder aus dem Amt wählen können. In Wisconsin wird dies vermutlich erst im Juni oder auch später der Fall sein.
Die Webcam ist inzwischen schon so populär geworden, dass sie einen parodistischen Twitter-Account hat, auf dem die Follower den Beamten Spitznamen gegeben haben. Dabei gibt es bei der Webcam nicht einmal einen Ton. Für die Steuerzahler ist sie aber kostenlos, denn die Streams werden von der Firma 5Nines.com übertragen, wie der Sprecher des Ausschusses, Reid Magney, erklärt. Dabei sei das Video ungefähr so spannend, wie wenn man Farbe beim Trocknen zusehe. „Ich vermute mal, die Menschen lieben es einfachen, anderen bei der Arbeit zuzusehen“, vermutet Magney. (dapd)