Tiroler pfuschen um 1,5 Mrd. Euro
Die Schwarzarbeit sinkt und ist abhängig von der Konjunktur. 2011 haben Pfuscher in Österreich rund 20 Mrd. Euro erwirtschaftet.
Linz, Wien –Mit dem Aufschwung nach der Finanzkrise ist die Schwarzarbeit wieder gesunken. Im Vorjahr wurde ein Minus von 2,07 Prozent verzeichnet, rechnet der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider vor, 2010 habe der Rückgang 1,22 Prozent ausgemacht. Er geht davon aus, dass es auch heuer Minus von 1,1 Prozent gibt.
Doch die Schattenwirtschaft ist in Österreich nach wie vor ein florierender Wirtschaftszweig. Pfuscher haben im Vorjahr österreichweit rund 19,8 Mrd. Euro erwirtschaftet, das entspricht 7,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Tirol wurden 1,5 Mrd. Euro, etwa 5,5 Prozent des BIP, am Fiskus vorbeigeschleust. Knapp eine Million Menschen verdienen am Schwarzmarkt ihr Geld, das ist rund jeder vierte Beschäftigte. Der Großteil sind aber „Nebenerwerbspfuscher“, nur etwa jeder Zehnte arbeitet ausschließlich in der Schattenwirtschaft.
Laut Schneider ist der Pfusch stark konjunkturabhängig. Während der Krise in den Jahren 2008 und 2009 hat die Schwarzarbeit floriert, 2009 gab es einen Anstieg von knapp drei Prozent. „Die Wirtschaft entwickelt sich derzeit exzellent“, sagt Schneider, „geht es aber bergab, haben wir wieder ein Problem.“
Grundsätzlich, so Schneider, lasse sich sagen: „Gibt es genug legale Arbeit, wird diese von den Arbeitnehmern dem Pfusch vorgezogen.“ Dieser Trend spiegle sich derzeit vor allem in den Krisenländern wider. So macht der Pfusch in Griechenland knapp ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes aus, in Italien sind es 20 Prozent, in Portugal und Spanien 19 Prozent.
In Österreich boomt die Schwarzarbeit vor allem am Bau, auf den 38 Prozent der illegalen „Nachbarschaftshilfe“ entfällt, gefolgt von der Gastronomie und dem privaten Haushaltssektor. Im Vorjahr flogen beispielsweise in Tirol bei einer Schwerpunktaktion der Finanzpolizei auf der Großbaustelle des Einkaufszentrums Stadtgalerien in Schwaz insgesamt rund 50 Pfuscher aus Portugal und Osteuropa auf, die ohne gültige Papiere arbeiteten. (bea, mas, APA)