Die freie Theaterszene will mit Vielfalt spielen
Bevor das „Freie Theater Innsbruck“ Ende des Jahres in medias res geht, wird noch an Konzepten gefeilt und eine Baustelle zur Bühne gemacht.
Von Christiane Fasching
Innsbruck –Am Anfang steht das Ende. Zumindest beim im Bau begriffenen Theaterhaus in der Wilhelm-Greil-Straße, das ab 1. Dezember zum neuen Treffpunkt für die freie, professionelle Szene werden soll. „Endlich Weltuntergang!“ heißt es dann knapp drei Wochen lang – gemäß dem Motto des Festivals „theater trifft“, das in den taufrischen Räumlichkeiten über die Bühne gehen wird. Auf dem noch nicht ganz ausgegorenen Spielplan stehen neun Produktionen, sechs davon stammen von Innsbrucker Bühnen, die drei übrigen von Theaterinitiativen aus dem Rest Tirols. Die Einreichfrist dafür endete am 31. Dezember 2011.
Der reguläre Spielbetrieb für das „Freie Theater Innsbruck“ beginnt im Jänner 2013. Bis dahin gibt‘s allerdings noch viel zu tun – die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, damit bis Herbst das ehemalige „Sinne“ in neuem Glanz erstrahlen kann. Im Erdgeschoß und ersten Stock des Gebäudes wird die Firma MED-EL auf 1400 Quadratmetern Fläche ein interaktives Hörmuseum errichten, dessen Gesamtkonzept von der Ars Electronica in Linz realisiert wird. Das Untergeschoß mit einer Gesamtfläche von knapp 650 Quadratmetern steht den Theatermachern zur Verfügung und beherbergt einen Aufführungssaal für bis zu 170 Zuschauer und einen Proberaum, der auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden kann.
Laut Daniela Weiss-Schletterer vom Kulturamt der Stadt Innsbruck betragen die Gesamtkosten für den Bau 3,2 Millionen Euro, knapp 970.000 Euro davon fließen in die Räumlichkeiten für das „Freie Theater Innsbruck“. Das Gesamtnutzungskonzept wurde vom Bauträger IIG mit dem städtischen Kulturamt und der Firma MED-EL ausgearbeitet.
So viel zum architektonischen Untergrund, emsig gewerkelt wird jedoch auch hinter den Baustellenkulissen. Erst vergangene Woche wurde der Vorstand des Vereins „Freies Theater Innsbruck“ gewählt. Neben Obmann Stefan Raab, den man als Leiter des „Theater praesent“ kennt, sind noch Michael Worsch, Fabian Kametz, Florian Eisner, Melanie Hollaus und Nicolas Dabelstein mit dabei.
Zusätzlich zum Vorstand wurde auch ein Beirat nominiert, dem Vertreter verschiedener Kunstsparten angehören. Namentlich sind das Komponistin Manuela Kerer, Performance-Künstler Andreas Pronegg, Architektin Verena Rauch, Tänzerin Gracia Kasebacher und Filmemacher Daniel Dlouhy, der als Sprecher und Bindeglied zwischen Beirat und Vorstand fungiert. In beratender Funktion wird auch ein Vertreter von Stadt Innsbruck und Land Tirol dem Beirat angehören. Sinn des Beirats ist es, die künstlerische Vielfalt des Hauses hervorzuheben und die Idee des spartenübergreifenden Arbeitens in den Vordergrund zu rücken. Zudem wird bei der Auswahl der Produktionen – mit dem Ziel der künstlerischen Offenheit – über die Stadtgrenzen von Innsbruck hinausgeblickt.
Welche Theaterproduktionen schlussendlich zur Aufführung kommen, darüber entscheidet der Vereinsvorstand, dem es obliegt, zwei Drittel des Jahresspielplans zu erstellen. Die Gestaltung der restlichen vier Monate liegt in den Händen des Beirats.
Einen 365-Tagesbetrieb wird das „Freie Theater Innsbruck“ allerdings nicht auf die Beine stellen können. Eine parallele Bespielung des großen Aufführungsraums ist nicht möglich, die Stücke – geplant sind derzeit fünf – können nur nacheinander gezeigt werden. Ausgewählt werden die Produktionen nach verschiedenen formalen Kriterien: In die engere Auswahl kommen nur Stücke, die von freien, professionellen Theatermachern produziert werden. Zudem muss die Produktion eigenfinanziert werden, da im Haus „nur“ Infrastruktur und Technik zur Verfügung gestellt werden. Weiters entscheidet auch der Zeitplan, ob eine Produktion ausgewählt wird.
Bis Herbst soll der genaue Spielplan feststehen.