Standort Tirol

Die Sonne schickt keine Rechnung

Aus Verantwortung gegenüber der Region und ihren Menschen feierte Würth-Hochenburger den 90. Geburtstag mit einer Tagung, in der es um Fragen des Bauens in Zeiten des Klimawandels gegangen ist.

Von Edith Schlocker

Innsbruck –„Wenn wir so weitermachen, dann möchte ich nicht mein Enkel sein. Denn ich möchte nicht in einem Treibhaus leben“, sagt Franz Alt, der sich wie fast kein anderer seit vielen Jahren mit der Weiterentwicklung der Gesellschaft im 21. Jahrhundert beschäftigt. Und das höchst wortgewaltig, was ihm im vergangenen Jahr den Titel des bundesdeutschen „Redners des Jahres“ eingebracht hat. Nachvollziehbar wurde diese Ehre bei der Fachtagung von Würth-Hochenburger, mit der das Tiroler Familienunternehmen vor Kurzem in der neuen Innsbrucker Messehalle seinen 90. Geburtstag gefeiert hat.

Für Franz Alt ist die aktuelle Wirtschaftskrise ein Klacks im Gegensatz zur Klimakrise. Denn was wir diesbezüglich heute falsch machen, werde uns Tausende Jahre beeinträchtigen. „Wir sind die erste Generation, die die Evolution rückwärts spielt“, sagt Franz Alt „und das ist fatal.“

Für ihn ist der Homo sapiens ein „homo Dummkopf“, indem er in Kauf nimmt, dass durch die Explosion der Treibhausgase und den dadurch provozierten Klimawandel pro Tag 150 Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet werden sowie 50.000 Hektar Boden verwüsten, und dies bei gleichzeitiger Explosion der Weltbevölkerung. Mit der Konsequenz, dass bis 2050 die Zahl der reinen Klimaflüchtlinge für die gemäßigten Zonen der Welt zu einem Riesenproblem werden wird, prophezeit Franz Alt.

„Doch es geht auch anders“, ist der renommierte Journalist und Buchautor überzeugt. Das bedeutet allerdings ein totales Umdenken, eine am besten hundertprozentige Abkehr von herkömmlichen fossilen Energien hin zu erneuerbaren. Die Nutzung von Wasser, Wind, Fotovoltaik und Geothermie müsse angekurbelt werden, auch durch steuerliche Anreize bzw. gesetzliche Daumenschrauben.

Für Franz Alt ist es nicht einsehbar, dass wir Gas aus Sibirien und Öl aus Arabien beziehen, anstatt die aus der Region kommende Bioenergie zu nutzen. Erzeugt etwa aus schnell wachsenden Pflanzen von Landwirten, die sich zu Energiewirten gemausert haben. Lösungen gibt es für Franz Alt genügend, woran es hapert, ist die Umsetzung. Noch blockiert von einflussreichen Lobbys.

Die erfolgversprechendste Lösung des Energieproblems findet Franz Alt aber am Himmel, es ist die Sonne. „Österreichs Architekten müssen lernen, wo Süden ist“, ätzt Alt, wodurch gut die Hälfte der Energie für die Beheizung einsparbar wäre. Außerdem seien 90 Prozent der heimischen Hausfassaden schlecht gedämmt. Dabei zeigten gerade die in Tirol erfreulicherweise boomenden Niedrigenergie-bzw. Passivhäuser, wie man es besser machen kann. Was Alt aber noch immer nicht gut genug ist. Er träumt von Häusern, die bis zu sechsmal mehr Energie erzeugen, als sie brauchen. Indem sie sich etwa mit der Sonne drehen.

Die Sonne sei ein Geschenk von ganz oben, was sich auch der Vatikan nutzbar macht. Um die neue Audienzhalle komplett mit Solarzellen zu decken. Den rein ästhetischen Einwand vieler Architekten gegen die Fotovoltaik lässt Franz Alt nicht gelten. Hier bräuchte es nur guten Willen, ein Umdenken, beweisbar durch viele gute Beispiele. Selbst bei dem in Sachen Umweltbewusstsein viel getadelten China ortet Franz Alt ein Umdenken, indem es etwa in der Millionenstadt Kunming neuerdings kein Haus ohne Solaranlage am Dach gebe.

Fazit: „Die Welt hat kein Energieproblem, es gibt nur ein falsches Energieverhalten“, so Franz Alt. Denn dass wir nicht täglich unbegrenzt viel an fossilen Ressourcen verbrauchen können, für die die Natur eine Million Jahre gebraucht hat, liege auf der Hand. Und so appelliert Alt an uns alle, „Vertrauen in die Schöpfung“ zu haben. Außerdem „schickt die Sonne keine Rechnung“, das Entwickeln alternativer Energien schaffe zudem viele neue Arbeitsplätze und werde immer günstiger, während die alten fossilen Energien immer teurer werden.

Dass wir heute nicht auf Kosten künftiger Generationen leben dürfen, glaubt auch der gelernte Maschinenbauer Peter Holzer, der bei der Tagung von Würth-Hochenburger über „Future Building“ referierte. Die Bauwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, „ich bin aber ein notorischer Optimist“, so Holzer. „Jeder ist gefordert, Kreativität ist gefragt.“ Für ihn muss jedes Haus, das neu gebaut wird, CO2-neutral sein. In diesem Bereich sei die Trendwende bereits geschafft, nicht zuletzt durch die Änderung der Bauordnung, die sinnvollerweise an die Wohnbauförderung der Länder gekoppelt ist. Ein Sorgenkind ist für Holzer allerdings nach wie vor der Verkehr und auch die Industrie ist „ein großer Sünder“.