Kreativität und Phantasie helfen auf dem letzten Weg
Auf ihrer Station darf auch gelacht werden: Pflegedienstleiterin Elisabeth Draxl begleitet Menschen im Innsbrucker Hospiz. Halt findet sie im Glauben.
Von Christina Stieber
Innsbruck –Die Welt im Innsbrucker Hospiz ist eine bunte. Steigt man im siebten Stock des Sanatoriums Kettenbrücke aus dem Lift, betritt man eine Station, in der Bilder und Blumen eine Atmosphäre schaffen, in der man sich sofort wohl fühlt. „Es ist sehr lebendig hier“, betont Elisabeth Draxl mit einem Lächeln.
Die gelernte Krankenschwester ist schon seit den Anfängen der Tiroler Hospizgemeinschaft mit dabei: „Während meiner Arbeit als Schwester habe ich oft erlebt, dass sterbende Menschen nicht die nötigen Rahmenbedingungen vorfinden.“ Persönliche Erfahrungen hätten sie dazu veranlasst, sich im Hospizwesen zu engagieren. Ein Studium der Erziehungswissenschaften und eine psychotherapeutische Ausbildung helfen ihr bei der Arbeit. „Neben einer guten Qualifizierung muss man in diesem Beruf aber vor allem Kreativität und Phantasie haben,“ erzählt Draxl. Auf der Station und in der mobilen Betreuung zu Hause arbeitet das interdisziplinäre Team in Zivilkleidung, den Patienten wird ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit gewährt. Das Schöne an ihrem Beruf sei, sagt Draxl, zu erleben, wie Menschen in Leidenssituationen über sich hinauswachsen. Für einen Patienten wurde zum Beispiel eine Vernissage auf der Station veranstaltet. „Wichtig ist, für die Person offen zu sein“, sagt die gebürtige Innsbruckerin.
Natürlich würde die Arbeit mit meist schwerkranken Menschen auch belasten. In diesem Beruf müsse man sich selbst oft die existenziellen Fragen stellen, räumt Draxl ein. Auch selbst Halt finden ist wichtig – sie persönlich habe ihn in ihrer Familie, aber auch in der Spiritualität. „Wir arbeiten im Hospiz ja auf einer christlichen Wertebasis“, erklärt sie. Es gehe vor allem darum, mit den Menschen ein Stück Leben zu teilen – das sei ein riesegroßes Geschenk für alle Beteiligten. „Außerdem kommen nicht alle Menschen zum Sterben hierher, Patienten werden auch vorübergehend betreut“, erklärt Draxl. Auf ihrer Station würde sehr viel gelacht.
Das Lachen vergeht allerdings auch manchmal – vor allem, wenn junge Menschen im Hospiz Station machen. „Dann fällt es besonders schwer, die eigene Ohnmächtigkeit auszuhalten“, gibt Elisabeth Draxl zu. Das Vertrauen, dass auch nach dem Tod noch etwas heilen kann, gebe ihr dann Kraft. Gibt es doch über den Tod hinaus noch einiges zu tun: Das Team kümmert sich auch um die Angehörigen. „Das ist ganz wichtig, sie werden einfach mitbetreut“, sagt Draxl.