Megaaufträge: Boeing und Airbus profitieren von Flugzeug-Boom
Die starke Nachfrage nach modernen Jets beflügelt Boeing. Auch Airbus hat ein Rekordjahr hinter sich und will nun neue Leute einstellen.
Chicago - Die starke Nachfrage nach modernen Jets beflügelt Boeing. Für das vergangene Jahr verkündete der Airbus-Rivale einen Rekordumsatz von 68,7 Milliarden Dollar (53,1 Mrd. Euro), was ein Plus von 7 Prozent ist. Boeing habe noch jede Menge Bestellungen in den Büchern stehen, erklärte Konzernchef Jim McNerney am Mittwoch. In diesem Jahr strebt er deshalb einen weiteren Umsatzsprung auf bis zu 80 Milliarden Dollar an (61 Mrd Euro). „Wir gehen mit Schwung ins Jahr 2012.“
Großauftrag über 222 Jets
Auch Airbus hat ein Rekordjahr hinter sich und will nun neue Leute einstellen. Doch warum läuft es bei den Flugzeugherstellern so gut? Die Fluggesellschaften hatten sich lange Zeit davor gedrückt, neue Flugzeuge anzuschaffen. In der Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 stornierten sie sogar Aufträge. Das hat dazu geführt, dass die Flotten überaltern. Nun sind auch noch die Spritpreise in die Höhe geschossen und die Umweltauflagen werden schärfer. Damit steigt der Druck, sparsamere Maschine zu bestellen.
Nur Stunden vor der Bilanzvorlage von Boeing hatte die Billigfluggesellschaft Norwegian einen Großauftrag über 222 Jets verkündet, den sich die Flugzeugbauer teilen. Alleine Boeing hat mehr als 3700 Flugzeuge im Wert von 296 Milliarden Dollar in den Büchern stehen. Airbus kommt sogar auf mehr als 4400 Flugzeuge, die nach Listenpreisen 588 Milliarden Dollar kosten. Das bedeutet Arbeit auf Jahre hinaus.
Im vergangenen Jahr haben die Amerikaner 477 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert. Das reichte allerdings nicht, um sich die Krone der Flugzeugbauer aufzusetzen. Die ging zum wiederholten Male an den europäischen Erzrivalen Airbus, der auf 534 Maschinen kam. Im laufenden Jahr will Boeing die Produktion allerdings drastisch erhöhen und 585 bis 600 Maschinen an die Kunden bringen. Verkaufsschlager ist der Mittelstrecken-Jet 737, den Boeing derzeit modernisiert und als 737 MAX mit sparsameren Triebwerken auf den Markt bringt. Airbus‘ erfolgreiches Gegenstück ist der A320neo.
Probleme unter Kontrolle
Boeing verdiente im vergangenen Jahr unterm Strich 4,0 Milliarden Dollar und damit 36 Prozent mehr. Der Konzern hat die Probleme bei der Entwicklung und der Produktion des mittelgroßen Langstrecken-Jets 787 „Dreamliner“ mittlerweile unter Kontrolle. Die Maschine besteht zu großen Teilen aus Verbundmaterialien statt aus Aluminium. Auch die neueste Variante des Jumbo-Jets 747-8 ging um Jahre verspätet an die Kunden raus, was zu milliardenschweren Mehrkosten führte. In diesem Jahr sollen 70 bis 85 Maschinen aus den beiden Baureihen ausgeliefert werden.
Für das laufende Jahr rechnet Boeing allerdings trotz der vollen Auftragsbücher mit einem Gewinnrückgang. Hauptgrund sind höhere Pensionsausgaben. Zudem muss Boeing Geld in die Ausweitung der Produktion stecken. Konzernchef McNerney versprach aber, dies mit Augenmaß zu tun.
Boeing ist auch im Rüstungsgeschäft und in der Raumfahrt aktiv, bei der die Airbus-Mutter EADS ebenfalls mitmischt. Sinkende Militärbudgets in den USA bereiten Boeing allerdings Kopfzerbrechen. Erst jüngst hatte der Konzern die Schließung eines ganzen Standorts mit 2160 Beschäftigten angekündigt. McNerney will die Rüstungssparte nun internationaler ausrichten. Mit Abstand größer Kunde ist US-Armee. So hatte Boeing den Rivalen Airbus bei einem Großauftrag um neue Tankflugzeuge ausgebootet.
Vorbörslich fiel die Boeing-Aktie in New York wegen der Aussicht auf einen sinkenden Gewinn um mehr als 1 Prozent. „Das ist nur so zu verstehen, dass der Ausblick gesenkt wurde“, sagte Analyst Alex Hamilton von EarlyBirdCapital. „Ansonsten kann ich nichts schlechtes entdecken.“ Die Anleger ließen sich allerdings auch nicht vom Schlussquartal gnädig stimmen, das besonders gut gelaufen war. Der Umsatz stieg überdurchschnittlich stark um 18 Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. (APA/dpa/Reuters)