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Verurteilt: Gerichtspraktikantin löschte Akten von Freunden

Die 16-Jährige wollte durch die Manipulation einen Streit ihrer Freunde bereinigen. Heute wurde sie zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt.

Salzburg - Eine 16-jährige Verwaltungspraktikantin der Staatsanwaltschaft Salzburg hat im Vorjahr die Daten von Freunden aus einem elektronischen Register gestrichen und sich damit selbst ein Strafverfahren eingebrockt: Die reumütige Salzburgerin wurde heute, Donnerstag, von einem Jugendschöffensenat zu zwei Monaten bedingter Haft wegen Amtsmissbrauchs in zwei Fällen verurteilt. Die mittlerweile 17-Jährige habe aus einer gewissen Naivität heraus und falsch verstandener Freundschaft gehandelt, sagte die vorsitzende Richterin Bettina Maxones-Kurkowski nach der Urteilsverkündung. Der Schuldspruch ist nicht rechtskräftig.

Gegen die zwei Freunde der Beschuldigten war im Juni ein Strafverfahren beim Bezirksgericht Salzburg wegen einer Rauferei anhängig. Mit dem Löschen der Daten im VJ-Register („Verfahrensautomation Justiz“, Anm.) habe sie den Streit „wieder ins Reine bringen“ wollen, schilderte die bisher unbescholtene Angeklagte. „In dem Moment hab‘ ich über die Konsequenzen nicht nachgedacht. Ich habe aber schon gewusst, dass es noch einen Aktenzugang gibt. Es war ein arger Fehler von mir, es tut mir wirklich leid.“

Der Vertrauensmissbrauch als Beamtin durch die Manipulation im Computersystem flog bald auf. Die Konsequenzen daraus bekam die Praktikantin schon vor der Verurteilung zu spüren. Sie wurde sofort entlassen und hatte Schwierigkeiten, eine neue Lehrstelle zu finden. Schließlich nahm sie ein Onkel in seinem Unternehmen auf. Dem Mädchen drohte eine Freiheitsstrafe von bis zu zweieinhalb Jahren. „Die verhängte Strafe fällt unter die beschränkte Auskunftspflicht und scheint im privaten Leumundszeugnis nicht auf“, erklärte die Vorsitzende. Weder Staatsanwältin Karin Reinthaller noch Verteidiger Stephan Kliemstein gaben nach dem Urteil eine Erklärung ab. (APA)