Rückkehr ohne Beigeschmack
Beim Weltcup-Wochenende in Garmisch (Super-G, Abfahrt) kehrt Benjamin Raich an den Ort seiner Knieverletzung zurück. Gemischte Gefühle kommen im Tiroler keine auf.
Von Florian Madl
Arzl, Garmisch –Jene Stelle, an der sich Benjamin Raich vor knapp einem Jahr eine Kreuzbandverletzung zuzog, wird der Pitztaler diesmal kaum registrieren: „Ich werde wohl in der Hocke daran vorbeifahren“, meint der 33-Jährige lapidar. Es verbinde ihn nichts mit dem Hang, der ihm Schmerzen und sechs Monate Rehabilitation bescherte: Es sei keine markante Geländeform gewesen, sondern ein Sturz im Rahmen des WM-Teambewerbs. Österreich holte mit seiner Freundin Marlies Schild an diesem 16. Februar 2011 Silber, Raich lag zu dem Zeitpunkt bereits auf dem Untersuchungstisch.
Einen Besuch hätte er Garmisch seither nicht abgestattet, am Samstag (Super-G) und Sonntag (Abfahrt) wäre so gesehen das erste Wiedersehen. Eines ohne negative Emotionen: „Die Sache ist abgeschlossen.“ Erinnern würden ihn daran einzig andere, vornehmlich Journalisten. Dass ihm nicht alle Nachrichten aus diesem Lager schmecken würden, stellte Raich erst kurzfristig wieder fest: Jene SMS, die Marcel Hirscher anonym eines Einfädlers bezichtigt hatte, sei Fehlmeldungen zufolge aus seinem Lager gekommen: „Es wurde halt irgendwas erfunden, damit muss man leben.“ Ente gut, alles gut, muss es in dem Fall heißen.
Schladming-Sieger Hirscher, der ihm bereits als Junior aufgefallen ist, bleibt für ihn ein Ausnahmetalent: „Er ist professionell und er bringt das nötige Talent mit.“ Ein legitimer Benni-Raich-Erbe also, ein Benni Raich 2.0. Aber der Tiroler, den Hirscher gerne als „Idol“ bezeichnet, will es seinem Nachfolger noch so lange wie möglich schwer machen.
„Ich bin mit meiner heurigen Leistung nicht ganz unzufrieden“, hält der stets selbstkritische Pitztaler nüchtern fest. Es sei zwar mehr möglich gewesen, aber die Richtung stimme. Ein Mitgrund: die hohen Startnummern. „Ich habe mich erst wieder unter die Top 15 arbeiten müssen.“ Einige Resultate erscheinen so in einem anderen Licht. Und das Idol könnte seinem Bewunderer bald näherrücken.