Nigeria ruft Boko Haram zum Dialog auf
Die nigerianische Regierung hat die gewalttätige Islamistensekte Boko Haram zu Gesprächen aufgefordert. Präsident Goodluck Jonathan sagte am Donnerstag, die Gruppe müsse sich aber zunächst zu erkennen geben und klare Forderungen formulieren. Militärische Gewalt allein werde den Aufstand der Gruppe nicht beenden, räumte Jonathan ein.
Es gebe keine Zweifel, dass Boko Haram Kontakt zu anderen extremistischen Gruppen außerhalb Nigerias unterhalte, sagte Jonathan. Wenn sich die Gruppe zu erkennen gebe und den Grund für ihren Widerstand gegen die Regierung nenne, wenn sie erkläre, weshalb sie gegen unschuldige Menschen und deren Besitz vorgehe, dann werde es eine Grundlage für einen Dialog geben, sagte der Präsident. „Wir werden mit ihnen sprechen“, fügte er hinzu. „Aber wenn sie sich nicht zu erkennen geben - mit wem soll man dann sprechen?“
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schätzt, dass allein in den ersten Wochen dieses Jahres mehr als 250 Menschen bei Gewaltakten der Gruppe getötet wurden. Erst vor wenigen Tagen richtete Boko Haram in Kano, der zweitgrößten Stadt des Landes, ein Massaker an, bei dem mehr als 180 Menschen ums Leben kamen. Weihnachten hatte Boko Haram mehrere aufeinander abgestimmte Anschläge unter anderem auf christliche Kirchen im Land verübt. Seit 2009, als die Sekte Boko Haram ihre Angriffe verstärkte, wurden Human Rights Watch zufolge mehr als 900 Menschen getötet. Wörtlich bedeutet Boko Haram „Westliche Bildung ist Sünde“.