„Geld soll man nicht horten“

Finanzexperte Horst Güdel glaubt, dass Tirols Firmen mehr Kapital bräuchten. Trotzdem sieht er die Wirtschaftslage positiv.

Herr Güdel, Sie wurden 2004 von der Cash.Medien AG zum „Man of the Year“ gewählt. Grund dafür war ihre „strategische Weitsicht“. Wie schätzen Sie die momentane Wirtschaftslage ein?

Horst Güdel: Österreich ist ein sympathisches Land, es hat aber auch gleichzeitig eine gute Volkswirtschaft. Außerdem wird es auch weiter vom Fremdenverkehr profitieren. 2012 sehe ich nicht pessimistisch – der Bedarf an existenziell wichtigen Gütern ist ungebrochen, dadurch ist die Gewinn- und Auftragslage 2012 unverändert gut. Natürlich passieren immer wieder Pleiten, wie aktuell bei Schlecker, aber das liegt nicht an der Schuldenkrise. Schlecker hatte einen schlechten Ruf, und genau diese Reputation wird gerade jetzt immer wichtiger. Die Sparanstrengungen in der EU werden aber große Probleme machen, da die Firmen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Viele Menschen haben seit der Wirtschafts- und Schuldenkrise wenig Vertrauen in Fondsmanager. Bekommt Ihr Unternehmen das zu spüren?

Güdel: Das Image von Spekulanten und Zockern ist sicher schlecht. Investoren, die auf Wachstum setzen, sind aber absolut notwendig. Wenn die Überlegungen der Anleger aufgehen, ist das für alle Beteiligten ein Gewinn. Unser Geschäft leidet durch die Krise mehr, als es begründbar ist.

Gibt es Ihrer Meinung nach in Tirol zu wenig Risikokapital, bräuchten die Firmen eigentlich mehr Geld?

Güdel: Auf jeden Fall. Die Investitionsneigung ist durch die Wirtschafts- und die Schuldenkrise zurückgegangen, das Sicherheitsgefühl schwindet. Eigenkapital sollte aber eingesetzt, nicht gehortet werden.

Lange Laufzeiten und hohe Einstiegssummen – wer soll Ihrer Meinung nach in Private Equity investieren?

Güdel: Ich würde sagen, jeder, der Geld anlegen kann und zehn Jahre nicht darüber verfügen muss. Private Equity investiert in Unternehmen, führt also Kapital dem eigentlichen realwirtschaftlichen Zweck zu – was Banken eigentlich ausschließlich tun sollten. Hedgefonds oder derivative Produkte stellen dagegen irgendwelche Werte dar – das ist Casino: Da habe ich die gleichen Chancen wie beim Roulette.

Das Gespräch führte Christina Stieber