Atomexperten der IAEO zu Gesprächen im Iran
Ein hochrangiges Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hat am Sonntag seine Arbeit im Iran aufgenommen.
Teheran/Wien - In dem sich zuspitzenden Streit über das iranische Atomprogramm ist am Sonntag eine ranghohe Delegation der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA) zu einer dreitägigen Mission im Iran eingetroffen. Es wird erwartet, dass die Fachleute mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Saeed Jalili und dem Direktor des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi-Davani, zusammentreffen werden. Zunächst war unklar, ob das Team auch iranische Atomanlagen inspizieren oder lediglich Fragen zum Atomprogramm des Landes stellen können würde.
Wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete, sind bis Dienstag Gespräche der IAEO-Experten mit iranischen Vertretern geplant. Dem Bericht zufolge wird das Team um Chefinspektor Herman Nackaerts zudem „wahrscheinlich“ die Urananreicherungsanlage Fordo (Fordow) südlich von Teheran besuchen, in der Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden soll. Nackaerts sagte vor seinem Abflug, er hoffe, das Land werde mit der Behörde zusammenarbeiten. Ein Dialog sei „lange überfällig“.
Die IAEO-Experten sollen bei dem Besuch versuchen, die zum Stillstand gekommenen Gespräche über das Atomprogramm wieder in Gang zu bringen. Der Westen wirft dem Iran vor, am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Im November hatte auch die IAEO diesen Verdacht geäußert. Teheran weist die Vorwürfe zurück.
Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi erklärte laut IRNA, das Land habe immer „umfassend und eng“ mit der Behörde zusammengearbeitet und stets Transparenz hergestellt. Er kündigte an, dass Atomunterhändler Jalili „bald“ einen Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton schicken werde, in dem der Iran Zeit und Ort für neue Gespräche vorschlagen werde.
Der iranische Parlamentspräsident Ali Larijani nannte den Besuch der Inspektoren einen „Test“ für die IAEO. Wenn die Experten „professionell“ agierten, werde sich „der Weg für eine Kooperation öffnen“, sagte Larijani laut der Website des staatlichen Senders IRIB. Sollten sie jedoch als „Instrument“ des Westens handeln, sei die Islamische Republik „gezwungen“, ein „neues Regelwerk“ für die künftige Zusammenarbeit zu erwägen.
Im Streit über das Atomprogramm hatte die EU am vergangenen Montag ein schrittweise in Kraft tretendes Ölembargo gegen Teheran verhängt. Als Reaktion wollte das iranische Parlament ursprünglich am Sonntag über einen sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa beraten. Die Debatte wurde jedoch verschoben, wie der Sprecher des Energieausschusses, Emad Hosseini, der Nachrichtenagentur Mehr sagte. Bisher gebe es keine Gesetzesvorlage, sondern lediglich eine „Idee von Abgeordneten“.
Der Chef der iranischen Ölgesellschaft, Ahmad Qalebani, sagte, der Iran könne seine Exporte an die EU jederzeit einstellen. Abnehmer in anderen Teilen der Welt seien bereit, das Öl zu kaufen, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur ISNA. „Entweder, sie hören sofort auf, iranisches Öl zu kaufen, oder sie entscheiden sich für langfristige Beziehungen“, sagte Qalebani im Hinblick auf europäische Firmen.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich unterdessen besorgt über zunehmende regionale Spannungen wegen des Streits über das iranische Atomprogramm. „Die Verantwortlichen in Teheran sind aufgerufen, von Handlungen abzusehen, die einer weiteren Eskalation Vorschub leisten“, sagte er. „Statt die Situation weiter rhetorisch anzuheizen, sollte sich Iran endlich in der Sache zu Transparenz und substanziellen Gesprächen über sein Atomprogramm bereit zeigen.“ (APA/dpa)