Mit Eingängen ein Zeichen setzen

Eingänge, Türen, Tore und Portale haben eine ganz eminente Bedeutung. Der Tiroler Architekt Horst Parson ortet zwei Konzepte, wie Eingänge gestaltet werden können: Der Eingansbereich kann betont werden oder er wird bewusst unscheinbar gehalten, um den Raum danach zu betonen.

Von Ursula Philadelphy

Die riesigen Portale alter Kathedralen oder Kirchen, die sich letztendlich auf eine relativ kleine Türe reduzierten, signalisierten bereits den Grundcharakter eines Einganges, wie er auch heute noch zum Tragen kommt.

„Der Eingang ist wichtig, er kennzeichnet den Ort, an dem man ein Haus betritt“, ist der Tiroler Architekt Horst Parson überzeugt. Außerdem ist es in seinen Augen wichtig und gut, „wenn man bereits von Weitem sieht, wo der Eingang ist“. Prinzipiell ortet er zwei unterschiedliche Konzepte, die aber beide schon sehr alt sind und sich noch immer bestens bewähren.

Erstens kann man den Eingang betonen, wichtig machen, dann „sollte sich diese Wichtigkeit aber auch im Inneren fortsetzen“. Die zweite Möglichkeit ist, den Eingang „eher zurückhaltend zu gestalten und nach dem Durchschreiten ein positives Aha-Erlebnis zu bieten“.

Parson selbst hat zum Beispiel die Kirche in Neu-Rum mit einem schmalen Eingang entworfen: „Der Eingang ist ganz bewusst eng, damit man danach die Weite spüren kann.“ Auch Massimiliano Fuksas hat bei seiner Kirche in San Paolo in Foligno in Umbrien ein schmales Portal entwickelt, durch das man den lichtdurchfluteten Innenraum betritt. Dieses Prinzip wirkt natürlich auch bei einem Haus oder einer Wohnung.

Der tollste Eingang à la Schönbrunn beeindruckt nicht nachhaltig, wenn es hinter der Türe kleinräumig und eng weitergeht, wenn Kästen und Schuhregale, überbordende Kleiderablagen oder ein veritables Schuhlager dem Chaos das Wort reden.

Bei einem Haus ist es gut, wenn der Weg zum Eingang eindeutig ist – egal ob gerade oder verschlungen zelebriert. Die einzelnen Details sind dabei völlig egal, auch die Geschmacksrichtung kann von feiner Eleganz bis Protz reichen. Man sollte nur nicht so weit gehen, dass der Eingang als Showelement zelebriert wird, denn diese Funktion gibt es in der guten Architektur schlichtweg nicht. Ein Zuviel an Blumentöpfen, Laternen, Kerzen in allen Dimensionen, Trockengestecken und Skulpturen wirkt visuell blockierend.

Neben dem Faktor Show wird der Eingang aber oft auch als Lagerplatz verunstaltet oder extrem verbaut. Fahrräder, Mülltonnen, willkürlich deponierte Gartengeräte versperren nicht selten den direkten Zugang und haben schlussendlich denselben negativen Effekt.

Auch in China und im Feng Shui spielt der Eingang eine wichtige, zentrale Rolle. Er lenkt die positive Lebensenergie ins Haus, in die Wohnung. Der Eingang wird nicht nur als architektonisches Element gesehen, sondern ist bedeutsam für die gesamte Fassade und wird zum Beispiel in China gerne wie ein Gesicht gesehen. Das Eingangsdetail Türe wird täglich genutzt und hat daher großen Einfluss auf das Leben der Menschen.

Wunderschöne Eingänge finden sich zum Beispiel in England, wo man am Land die Gestaltung mit Sträuchern und Blumen sehr gezielt zur Haustüre führt. Aber auch im innerstädtischen Bereich wird den Eingängen eine ganz besondere Bedeutung beigemessen. Die in den unterschiedlichsten Farben gestrichenen Türen sind meist an beiden Seiten von Fenstern flankiert, die wiederum mit üppigem und gepflegtem Blumenschmuck bestechen. Alle Details sind auf die Gesamtwirkung der Fassade eines Hauses ausgerichtet und stilistisch immer sehr stimmig, wodurch sowohl energetische als auch visuelle Blockaden vermieden werden. Das Haus präsentiert sich dem Betrachter ganz offen und frontal.

Bei modernen Architekturen mit stark verschachtelten und mehrdimensional verschränkten Baukörpern ist es hingegen oft nicht ganz einfach, den Eingang zu finden. Die natürliche Logik kommt dabei nicht immer zum Tragen. Dieser Aspekt kann eine emotionale Blockade bewirken, andererseits reagiert mancher Besucher aber auch mit extremer Neugierde. Eine Geschmacksfrage.