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Der Job macht vorerst Pause

Bildungskarenz befindet sich auf dem Vormarsch. Rund 1400 Tiroler nützten im Vorjahr die bezahlte Auszeit vom Job für Weiterbildung. Ein Bankangestellter und eine Architekturstudentin schildern ihre Erlebnisse.

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –„Eine Auszeit vom Job? Das ist doch ein Zeichen von Schwäche!“ Mit dieser landläufigen Meinung waren die ersten Anwender der Bildungskarenz, die es in Österreich seit 1998 gibt, konfrontiert. Inzwischen hat sich die Einstellung vieler Menschen in Tirol teilweise gewandelt. Die berufliche Pause ist salonfähig geworden. Zur Überbrückung von konjunkturellen Schwankungen in Betrieben – oder um eine längst begonnene Ausbildung endlich abzuschließen.

„Ohne Bildungskarenz hätte ich für meine Diplomarbeit wohl ein Dreivierteljahr gebraucht. So habe ich in drei Monaten mein Volkswirtschaftsstudium beenden können und hatte danach wieder den Kopf frei für die Arbeit“, erzählt Markus. Er hat Anfang 2009 Bildungskarenz in Anspruch genommen und möchte aufgrund von Bedenken gegenüber dem Vorgesetzten anonym bleiben. Der Bankangestellte hat seine „freien Tage“ intensiv genützt: „Ich habe zehn bis zwölf Stunden am Tag für meine Diplomarbeit geschrieben, das war für mich mehr als eine 40 Stundenwoche“, erinnert er sich zurück.

Die Entscheidung sei für ihn die absolut richtige gewesen: „Bevor ich die Bildungskarenz begonnen habe, war ich durch die Doppelbelastung Beruf und Studium mit den Kräften am Ende.“ Er rät Interessierten, das Thema frühzeitig im Betrieb abzuklären, denn für den Arbeitgeber könne es problematisch sein, wenn eine Tätigkeit kurzfristig von einem anderen Mitarbeiter übernommen werden muss. „Einen neuen Mitarbeiter als Überbrückung einzustellen, geht vielleicht bei einem Job am Fließband, aber nicht in der Finanzbranche.“

Auch für Architekturstudentin Silvia war die Bildungskarenz ein Glücksgriff: „Neben meiner Arbeit in einem Architekturbüro war es kaum möglich, mein Studium sinnvoll weiterzubringen.“ Dem Chef sei es gar nicht so unrecht gewesen, dass sie sich ein Jahr lang rein dem Studium gewidmet hatte. „Meine Pause begann zu einem geeigenten Zeitpunkt, denn im Architekturbüro ist gerade ein großes Projekt ausgelaufen.“

Die Bildungskarenz könne in vielen Lebenssituationen hilfreich sein. „Oft fangen Leute eine Ausbildung an und beenden diese aus familiären oder wirtschaftlichen Gründen nicht. Wenn man ein Job­angebot bekommt, bleibt die Ausbildung oft auf der Strecke“, meint sie. Ohne Bildungskarenz könnte sie ihr Studium kaum abschließen, sagt die Innsbruckerin, die im November 2011 wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte. „Da hätte ich wohl noch ewig weiterstudiert.“

Tiroler Firmen setzen in Krisenzeiten gern auf Bildungskarenz für ihre Mitarbeiter. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Anträge für Bildungskarenz sprunghaft erhöht. Langten im Jahr 2007 noch 231 Ansuchen beim Arbeitsmarktservice Tirol ein, waren es im Jahr 2011 bereits 1402. Schon 2009 und 2010 übersprangen die Anträge für Bildungskarenz mit 1055 bzw. 1133 in Tirol die Tausendermarke. Im Vorjahr hatten die Frauen in Bildungskarenz die Nase vorne: 721 Frauen nutzen das Angebot, ihnen standen 681 Männer gegenüber. Auch im Jänner 2012 zeigten die Tiroler mit 106 Antragsstellungen weiterhin Interesse an der beruflichen Auszeit.

Seit kurzer Zeit sind zudem nicht nur Personen mit klas­sischen Angestellten-Dienstverhältnissen anspruchsberechtigt, sondern auch freie Dienstnehmer.