Ja zur Venetbahn, Hürden bleiben

Die Stadt Landeck stellt zusätzliches Geld für die Venet AG zur Verfügung, aber nicht im beantragten Umfang und vorerst nur für drei Jahre. Die Zammer müssen ihren Beschluss nun entsprechend angleichen.

Von M. Reichle und H. Wenzel

Landeck, Zams –Kaum eine Landecker Gemeinderatssitzung hat größeres Interesse ausgelöst als jene vom Mittwochabend. Etwa 100 Besucher verfolgten die dreieinhalbstündige Debatte. Die zentrale Frage war, ob sich die Stadt weitere Zuschüsse an die Venet AG leisten kann.

Im Budget 2012 habe die Stadtgemeinde insgesamt 798.000 Euro für Zahlungen an die Venet AG reserviert, erläuterte Finanzreferent VBM Manfred Jenewein. Doch der Betrag reicht nicht. Deswegen hatten die Venet-Vorstände jenen Antrag gestellt, der Anlass für die Sitzung war: „Der Betriebsabgang der Venet Bergbahnen AG beträgt im laufenden Geschäftsjahr rund 550.000 Euro. Ein Teil davon ist durch zugesagte Mittel der Hauptaktionäre gedeckt. Nicht dauerhaft finanziert ist ein Betrag von 400.000 Euro jährlich. Nach Möglichkeit der Hauptaktionäre soll die Finanzierung für fünf Jahre gesichert werden.“

Die über weite Strecken sachliche Debatte endete mit einer Kompromissformel, die mit 16:3 Stimmen angenommen wurde. Die Stadtgemeinde zahlt ihren 55-Prozent-Anteil zur Abdeckung des Betriebsabgangs 2012 in vollem Umfang. 2013 wird der Beitrag mit 150.000 Euro gedeckelt, 2014 sind es nur noch 100.000 Euro. Sämtliche Mandatare von ÖVP und SPÖ haben für diese Lösung gestimmt, die Gegenstimmen kamen von der FPÖ und den Grünen. Die ÖVP hatte zunächst für den vollen Beitrag im Sinne des Antragstellers Venet Bergbahnen AG plädiert, allerdings nur für die Dauer von drei Jahren. Die SPÖ hingegen bot einen Beitrag von 100.000 Euro jährlich an. Mehr könne man sich angesichts der angespannten Budgetlage nicht leisten, betonte Bürgermeister Bertl Stenico mehrmals.

Die FPÖ schloss eine Zustimmung für weitere Steuergelder an die Venet AG aus. „Die Finanzlage ist katastrophal, die Stadt ist pleite“, begründete StR Roland König. Um eine Schließung des Seilbahnbetriebs zu vermeiden, schlug er die Veräußerung der Landecker Anteile am Unternehmen zum Preis von einem symbolischen Euro vor. Sollte sich kein Interessent finden, müsse die Venet AG liquidiert werden. Der Antrag wurde mit 17:2 Stimmen abgelehnt.

Eine wichtige Rolle spielte in der Debatte das vorige Woche bekannt gewordene Angebot einer heimischen Unternehmergruppe. Die Gruppe erklärt sich bereit, eine Million Euro zu investieren und 100 „Low-Budget-Schlafstellen“ im Bereich der Bergstation zu bauen. Die Umsätze bzw. Erträge würden zur Gänze der Venet Bergbahnen AG zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis im Landecker Gemeinderat hätte zwar etwas besser ausfallen können, resümiert der Unternehmer Karl Lenhart: „Aber wir sehen nach wie vor einen gangbaren Weg für unser Ziel, das Investitionspaket umzusetzen und eine positive Wende für den Venet einzuleiten.“

Der Tourismusverband Tirol West sprach von einem Teilerfolg. Die Touristiker hatten der Venet AG fünf Jahre lang zusätzlich 40.000 Euro in Aussicht gestellt, falls die Hauptaktionäre Landeck und Zams den ganzjährigen Betrieb für diesen Zeitraum sicherstellen. „Das Landecker Ergebnis stellt uns vor eine neue Situation, über die wir im Vorstand erst beraten müssen“, sagte Obmann Konrad Geiger.

Nicht überrascht zeigte sich der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger vom Kompromiss der Nachbargemeinde: „Ich habe das geahnt, hätte mir aber mehr Mut von den Landeckern erwartet“ – was die Dauer der Zuschüsse, aber auch deren Staffelung anbelangt, sagte er. Im Gegensatz zu ihren Amtskollegen waren die Zammer Mandatare in ihrer Sitzung mit allen von der Venet Bergbahnen AG eingebrachten Punkten einverstanden – die TT berichtete. Mit 11:4 stimmten sie gegen den Abbau einzelner Lifte, mit 14:1 für den Weiterbetrieb im Sommer und Winter und mit 12:3 dafür, dass die beiden Gemeinden in den nächsten fünf Jahren den nicht bedeckten Betriebsabgang übernehmen.

Nun benötigt es einen Abänderungsbeschluss, um auf ein gleichlautendes Ergebnis zu kommen. Denn eines schließt Geiger aus, dass der Aufteilungsschlüssel zwischen Zams und Landeck von 45:55 nun aufgeschnürt wird und Zams künftig mehr für die Abgänge des Venet zahlen muss.

Er bleibt mit einem gemischten Gefühl zurück. „Wichtig ist, dass wir nun Luft haben“, betonte der Zammer Dorfchef. Trotzdem bleibe die Befürchtung, dass die 100.000-Euro-Deckelung der Stadt Landeck in drei Jahren Anlass für eine Grundsatzdiskussion bietet, beurteilte er den Kompromissvorschlag.

Einen Kompromiss, der jedoch nicht zur Abstimmung kam, hatte auch die Allgemeine Zammer Liste eingebracht. Georg Steinwender (AZL) schlug vor, dass Zams den Venet nur für ein weiteres Jahr unterstützt – mit der Option auf eine Verlängerung für die darauffolgenden zwei Jahre, unter Vorraussetzung, dass bestimmte Auflagen erfüllt werden. Kritisiert wurde, dass die finanziellen Prognosen des Unternehmens in den letzten Jahren nicht gestimmt hätten. Der Beschluss in Land­eck stellt auch Steinwender vor neue Fragen – vor allem, wo in den nächsten fünf Jahren das Geld für die nicht gedeckten Abgänge herkommen soll. „Mancher ist noch nicht in der Realität angekommen.“