Beteiligung an Massaker bestritten

Die Behörden haben den angeblichen Kriegsverbrecher aus Tirol in Serbien ausgeforscht. Er sei Opfer einer Verwechslung.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Das Rätsel um den angeblich in Innsbruck untergetauchten Kriegsverbrecher aus Serbien ist zumindest teilweise gelöst. Wie die Ermittlungen des Bundes- und des Landesverfassungsschutzes (Sicherheitsdirektion) ergaben, „hält sich der Mann derzeit nicht in der Tiroler Landeshauptstadt, sondern in Serbien auf“, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums: „Die Beamten konnten den 61-Jährigen auch telefonisch erreichen.“ Beim Gespräch gab der vermeintliche Kriegsverbrecher allerdings an, völlig unschuldig zu sein. „Er sagt, er sei Opfer einer Verwechslung, aufgrund seiner Namensgleichheit mit einem Kriegsverbrecher sei er schon mehrfach falsch beschuldigt worden.“

Wie die Nachforschungen weiters ergaben, ist der Serbe seit 1998 in Innsbruck gemeldet. Der Mann soll schwer behindert sein. „Wir haben auch bei den bosnischen Behörden nachgefragt. Dabei erhielten die Beamten die Auskunft, dass kein Verfahren gegen den Mann anhängig ist“, so Grundböck weiter: „Wir werden uns jetzt aber auch noch beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erkundigen.“

Wie berichtet, hat Bosniens größte Tageszeitung Dnevni Avaz im Internet die Namen und Adressen von elf angeblichen Kriegsverbrechern veröffentlicht.

Die Männer sollen 1992 bei einem Massaker nahe der Stadt Bihac während des Bosnien-Krieges 300 Menschen ermordet haben.

Wie die Zeitung meldete, leben die Kriegsverbrecher angeblich völlig unbehelligt in Serbien sowie im serbischen Teil Bosniens. Und in Innsbruck – in der Liste war eine Wohnadresse im Stadtteil Hötting angeführt. Der Serbe plant angeblich, nach Innsbruck zurückzukehren.