Besser geht‘s wohl nicht
Der beliebte Tiguan von Volkswagen verzichtet auch nach dem Facelift auf Marotten: Mit dem Zweiliter-Selbstzünder lässt sich schwerlich etwas falsch machen.
Von Markus Höscheler
Innsbruck –Aufgeben? Die Macho-Antwort lautete: Niemals! Die reife Entgegnung aber bedeutete: Manchmal ist es besser, Verzicht zu leisten. Der Tiguan von Volkswagen half uns bei der Reifeprüfung. Denn wir waren klarerweise auf der Suche nach Macken und Makeln, denn immerhin stammt das SUV vom notorischen Klassenbesten Golf ab. Ein solcher reizt dazu, nach Fehlern zu suchen. Doch die Jagd danach war eine über weite Strecken vergebliche. Mit der vor einigen Monaten erfolgten Überarbeitung haben die Wolfsburger den ohnehin schon über Gebühr nachgefragten Hochbeiner noch etwas attraktiver gestaltet, dabei aber aufs Anecken verzichtet. Die Front- und Heckleuchten wirken nun moderner, der mit zwei Doppelquerspangen versehene Kühlergrill zitiert die schon alltägliche Volkswagen-Formensprache.
So nüchtern sich der Tiguan nach außen gibt, so berechenbar gestaltet sich das Innere: Die ausgewählten Materialien sind hochwertig, die Verarbeitung verdient anerkennendes Kopfnicken. Die kühl gehaltenen Anzeigen sind an Übersichtlichkeit nicht zu überbieten, die Bedientasten erfordern keine Einarbeitungszeit. Selbst das komfortable Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe fügt sich ins Bild, die Navigationseinheit RNS 315 (891,65 Euro brutto extra) bleibt unauffällig und zuverlässig. Fürs Wohlgefühl sorgen die Vienna-Lederausstattung (1931,04 Euro) und das Panorama-Ausstell-/Schiebedach (1279,15 Euro). Die Annehmlichkeiten verdienen eine Empfehlung, zwingend sind sie allerdings nicht – denn der Tiguan bietet ab Werk reichlich bequemen Platz für bis zu fünf Insassen und ein Netto-Ladevolumen von 470 Litern.
Für Wintersportaktivitäten konnte sich der Tiguan während unserer Testzeit bestens andienen, zumal die verschneiten und vereisten Berg- und Talfahrten zu den jeweiligen Destinationen für das VW-SUV dank des bewährten 4 Motion-Allradantriebs keine Herausforderung bedeuteten. Beim Abwärtsfahren aktivierten wir zu unserem Nutzen die Bergabfahrhilfe, die ein selbsttätiges Bremsen des Tiguan im Gefälle bewirkte. Und beim Aufwärtsfahren vertrauten wir dem 140 PS starken Turbodiesel. Zu Recht, denn der Selbstzünder ist dem 1,7-Tonner mehr als gewachsen, lediglich bei höheren Tempi bemerkten wir eine leichte Zurückhaltung des fein gedämmten Triebwerks. Zurückhaltend zeigte sich der Zweiliter-Vierzylinder auch beim Treibstoffverbrauch: Mit 6,1 Litern im Test lagen wir nur 0,1 Liter über dem Normverbrauch. Macken? Makel? Fehlanzeige. Gereift geben wir die Suche nach Eigenheiten auf und weisen auf zwei Preise hin: Der Testwagen kostet üppig ausgestattet 45.338,62 Euro – allerdings gibt es ihn ohne Sonderausstattung ab 36.010 Euro.
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