Innenpolitik

Falsche Ansätze bei Pensionen

Pensionsexperte Bernd Marin erkennt Licht und Schatten bei den Maßnahmen.

Herr Professor Marin, wie bewerten Sie das Sparpaket im Bereich der Pensionen?

Bernd Marin: Ambitioniert, bemessen daran, womit man als gelernter Österreicher hat rechnen können, weniger ambitioniert, bemessen an dem, was notwendig gewesen wäre oder in anderen EU- und OECD-Ländern geschieht.

Also ist dieses Sparpaket keine mittel- oder langfristige Absicherung des Pensions­systems?

Marin: Nein. Das ist es noch nicht. Aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Sollte es tatsächlich gelingen, bis zum Jahre 2020 das faktische Pensionsantrittsalter um vier Jahre anzuheben, dann wäre dies eine sehr eindrucksvolle Trendumkehr. Ich weiß nur nicht, ob die gesetzten Maßnahmen dafür ausreichen.

Da ist zum einen eine Verschärfung bei der Korridorpension?

Marin: Genau das verstehe ich nicht. Die Korridorpension ist als einzige eine freiwillige Entscheidung des Einzelnen, früher in Pension zu gehen und dafür Abschläge in Kauf zu nehmen. Wenn die Abschläge versicherungsmathematisch korrekt wären, also sehr viel höher, soll man doch jedem diese Entscheidung einer früheren Pension zubilligen.

Was hätte also passieren müssen?

Marin: Eher hätte man bei der so genannten Hacklerpension eingreifen sollen. Es ist für mich auch ein großer Fehler, dass man sich nicht getraut hat, die Frauenpension früher als bis 2034 an jene der Männer anzugleichen. Und dann wäre natürlich eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters wünschenswert gewesen. In Form einer automatischen Berücksichtigung der Lebenserwartungszuwächse, also in ganz, ganz kleinen Schritten. Allein einen Monat anheben, würde fast 100 Mio. Euro bringen, kumulativ bis 2016 eine halbe Milliarde – und das sicher.

Wie bewerten Sie die Änderung bei der Invaliditätspension?

Marin: Dies ist in erster Linie einmal eine statistische Kosmetik und ein Vorhaben. Die Bundesregierung orientiert sich hier hoffentlich am niederländischen Modell. Dort schaffte man es, innerhalb von fünf Jahren die Neuzugänge zu den Invaliditätspensionen um zwei Drittel zu senken. Es bleibt abzuwarten, ob dies in Österreich auch gelingt, das wären 440 Millionen bis 2017 plus 225 Millionen jährlich zusätzlich danach.

Das Interview führte Michael Sprenger