Sänger kommen und gehen, Melodien, die bleiben

„Zauber der Musik“ wird zum langsamen Adieu der Intendantin. Sie moderiert, aber feiern lässt sie sich nicht.

Von Ursula Strohal

Innsbruck –Mit der 7. Auflage ihrer Theaterspende „Zauber der Musik“, einem bunten Abend, den sie immer selbst moderiert hat, verabschiedet sich Intendantin Brigitte Fassbaender von ihrem Publikum persönlich. Sie tut es ohne Sentimentalität und große Worte und ohne dem Publikum die Chance zu geben, sie zu feiern. Nur den Auftrittsapplaus kann sie nicht verhindern.

Der „Zauber“ mit seinen Ausschnitten aus Oper, Operette und Musical läuft bis Jahresende und bis dahin ist die Ära Fassbaender/Rohrmoser mit elf Premieren – davon fünf Uraufführungen – und einem Jugendkonzert noch eine wahrlich reiche.

„Der Zauber der Musik war immer auch ein Zauber des Ensembles“, sagte Intendantin Fassbaender Samstagabend bei der Premiere. Tatsächlich hat sie von 1999 an ihr musikalisches Ensemble aufgebaut, gepflegt, gefordert und gefördert. Dass sie ihre Sängerinnen und Sänger, so sie wollen, gesangstechnisch betreut, ist natürlich Luxus. Sie hat leichte Stimmen bevorzugt, zwischen die erfahrenen Künstler Anfänger gestellt und, heute rar, die Individualität der Stimmen gefördert. Sie nützte im Repertoire die Mehrsprachigkeit des Ensembles, was nicht zuletzt zu Höchstleistungen führte, sie ließ junge Stimmen sich vorsichtig entwickeln, förderte durch Studienaufträge. Eine Ensemblepolitik, die Intendanten und Agenten zum Sängereinkauf ans Tiroler Landestheater führte. Viele hat Fassbaender gehen, manche noch reifen lassen.

„Zauber der Musik“ bietet in wechselnder Besetzung immer andere Ausschnitte aus Oper und Operette und dazu einen Überraschungsgast. Am Samstag war es Janina Baechle, die gleich wie Juliane Banse, Christiane Libor, Burkhard Fritz, Albert Pesendorfer u. a. als Fassbaender-Schüler/Schülerin in Innsbruck wesentliche Erfahrungen sammelte, bevor die internationale Karriere einsetzte. Baechle präsentierte ihren üppigen Mezzosopran mit der Azucena-Arie aus Verdis „Troubadour“.

Im Übrigen verlief der Opernteil, diesmal mit Szenen und Arien aus „Fidelio“, „La Cenerentola“, „La Bohème“, „Der fliegende Holländer“ und „Die Zauberflöte“ wenig imposant und nervös und zeigte, wie schwierig so ein Auftritt ist. Susanna von der Burg, Jennifer Maines, Susanne Langbein, Renate Fankhauser, Marc Kugel, Sebastian Kroggel und Matthias Wölbitsch bleiben mit ihren herausragenden Rollengestaltungen und nicht mit diesen Einzelszenen im Gedächtnis. Der Tenor Joshua Lindsay muss sich erst profilieren.

Wesentlich gesteigert der Operettenteil, da kamen Christine Buffle, Dale Albright, Andreas Mattersberger, Ansgat Matthes und Thomas Paul hinzu. Grandios dann der Musicalteil mit Szenen aus „Jesus Christ Superstar“, „Lulu – Das Musical“ und „Les Misérables“ mit Kristina Cosumanos wunderbarem „I Don‘t Know How To Love Him“, Anne Schuldt, Dale Albright, Marc Kugel und Andreas Mattersberger – alle fabelhaft.

Eine verlässliche Größe und auftrumpfend mit „Meistersinger“-Vorspiel und „Zigeunerbaron“-Ouvertüre das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter Alexander Rumpf.