Das Ding ist die Botschaft
Der Mexikaner Martin Soto Climent im Kunstraum Innsbruck, der junge deutsche Maler Ali Altin im Projektraum.
Von Ivona Jelcic
Innsbruck –Ganz elementare Themen wie Leben und Tod, Werden und Vergehen, das Spannungsfeld zwischen Männlichem und Weiblichem tummeln sich im Werk des 1977 in Mexiko geborenen Martin Soto Climent, der damit in der Tradition der lateinamerikanischen Kunst steht und bisher vor allem in Italien, aber auch in New York rezipiert wurde. Kunstraum-Chef Veit Loers hat Climent nun zu seiner ersten Einzelausstellung in Österreich eingeladen – und ihm den Kunstraum als Bühne für die raumgreifende Installation „The Bright of the Whisper“ überlassen.
Da wächst nun eine Feder aus einer an der Wand fixierten Kleenex-Box, stülpen sich hochhackige Damenstiefel gefräßig über feine Herrenschuhe, verschränken sich Stuhl und Spiegel zur Skulptur und spannen sich Strumpfhosen, ausgehend von einem alten Spinnrad, wie Schicksalsfäden durch den Raum. Martin Soto Climents Assemblagen haben etwas Nostalgisches, beinahe Altmodisches, offenbaren aber auch jede Menge abgründigen Humor: Was da in Nylonstrümpfe eingezwängt bzw. aus ihnen herausgespien wird – Haare, Guglhupfformen oder Kleiderbügel –, wie Alltägliches ins Absurde gekippt wird (wenn Türen sich in Tische verwandeln) und wie die Geschlechter-Accessoires untrennbar miteinander verwoben sind, lässt auf einige Gedankenspiele mit dem Thema Fetisch und mit dem Animismus von Gegenständen schließen. Die Dinge selbst sind es, die hier die Botschaft übermitteln, sei es durch ein ihnen vom Künstler unterstelltes, geheimes Flüstern oder auf der Ebene des Gefühls. Unübersehbar ist Climents Schöpfen aus dem an das surrealistische Erbe etwa eines Salvador Dalí, am Surrealismus interessiere ihn die stets vorhandene Anbindung ans Kosmische und Philosophische, lässt der Künstler wissen, der hier auch Fotos und eine Videoarbeit zeigt.
Parallel zu „The Bright of the Whisper“ verwandelt der junge deutsche Maler Ali Altin den Projektraum in „The Blue Room“: Ins Groteske verzerrte Nachtwesen und gespenstisch wirkende Museumsbesucher bei Tag bevölkern die mysteriösen, mitunter auch dämonischen Schattenwelten des Tal R-Schülers an der Düsseldorfer Kunstakademie. In seinen collageartigen mehrschichtigen Szenarien finden sich auch aktuelle Bezüge, etwa zur Duisburger Love Parade 2010, bei der eine Massenpanik mehrere Todesopfer gefordert hat. Mit Sand gemischte Farben verleihen der Malerei von Ali Altin interessante Strukturen, während sich die Strukturierung seiner Motive auch anhand des zentral präsentierten Skizzenbuchs aus übermalten Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Fundstücken erschließt.
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