Rechtsterror in Deutschland

Neonazi-Zelle: Ermittlungen werden auf USA ausgeweitet

Ein Rechtshilfeersuchen wurde an die US-Behörden gestellt. Auslöser dafür soll eine neunseitige Liste mit Mail-Adressen und Internetkonten sein.

Berlin/München - Die Ermittlungen in Deutschland gegen die Zwickauer Neonazi-Zelle werden auf die USA ausgeweitet. Die deutsche Bundesanwaltschaft hat ein Rechtshilfeersuchen an die zuständigen US-Behörden gestellt, um Aufschlüsse über die Internetaktivitäten der Terrorgruppe zu erhalten. Ein Sprecher der Karlsruher Behörde bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“, wollte unter Hinweis auf laufende Ermittlungen aber keine Details nennen.

Auslöser für das Rechtshilfeersuchen ist laut „Focus“ eine neunseitige Liste, die in der ausgebrannten Wohnung des Zwickauer Trios gefunden worden sei. Auf dem Papier hätte das Trio ihre Mail-Adressen und Internetkonten sowie Zugangsdaten notiert. Teilweise handle es sich um Anmeldungen zu Foren für Computerspiele sowie bei Onlineshops. Besonderes Interesse der Fahnder habe ein Account von Z. bei der Videoplattform YouTube geweckt, heißt es in dem Bericht. Dort soll sie sich mit dem Benutzernamen „Liese1111“ angemeldet haben.

Die Ermittler des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) wollen den Angaben zufolge überprüfen, welche Filme sich Z. ansah und ob sie eigene Videos ins Internet stellte. In einem internen BKA-Vermerk heißt es laut „Focus“, mit den YouTube-Daten ließe sich „auf die Ideologie des Nutzers“ schließen oder sogar beweisen, dass Z. über Täterwissen verfügte.

Bei den Ermittlungen ist laut dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auch ein sächsischer Video- und Computerspiel-Verleih ins Visier der Fahnder gerückt. Zwei Mitarbeiter dieser Firma stünden im Verdacht, Mundlos vor knapp zehn Jahren bei der Beschaffung von Waffen unterstützt zu haben. Der Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Anfrage: „Auch die Herkunft der Waffen ist Gegenstand der Ermittlungen.“ (APA/dpa)