Putin macht Winterurlaub
Die 16. ART Innsbruck mit Schwerpunkt Russland und gewohnt durchwachsenem Angebot.
Von Ivona Jelcic
Innsbruck –Am angestammten Platz der „Jungen Kunst aus Tirol“ macht sich in diesem Jahr die „Moskauer Schule“ breit: Die neue Sonderschau der ART Innsbruck, kuratiert von Hubert Thurnhofer, pocht auf Internationalität und wurde als „repräsentativer Blick über die charakteristische Kunstszene Russlands“ angekündigt. Allzu glaubhaft wirkt das angesichts des Gezeigten allerdings nicht: Zwischen dem Ski fahrenden Wladimir Putin auf einem der heillos mit kruder Symbolik überladenen, wohl auch politisch kritisch gemeinten Gemälde eines Andrej Kasakov und den dekorhaften, barocke Porträtmaler zitierenden Werken von Eduard Ulan wähnt man sich nicht gerade mit den (formal wie inhaltlich) spannendsten Vertretern der russischen Kunstszene bekannt gemacht. Überzeugender ist da noch Viktoria Popova, die, allerdings auch keine ganz neue Idee, mit weitergemalten oder -gezeichneten Fotografien an der Wahrnehmung schraubt.
Die „Junge Kunst“, gefördert von Stadt und Land, musste jedenfalls in den Messe-Winkel hinter der einmal mehr von der Galerie Rhomberg ausgerichteten, mit Pop-Art und geometrischem Minimalismus bestückten Sonderschau Nummer zwei weichen. Zita Oberwalder und Marcus Schatz haben das Beste daraus gemacht – und zeigen unter dem Titel „Ausschnitte“ ihre zwar unterschiedlichen, an den Peripherien aber doch immer wieder korrespondierenden Auseinandersetzungen mit menschlich geprägter Umwelt und Natur – etwa wenn die bizarren Felsformationen auf einer der am oft „Übersehenen“ interessierten Fotografien von Oberwalder entfernt an ein Relief aus Schiefergestein von Schatz erinnern, der faszinierende Strukturen aus der Natur filtert.
Verkauft werden will auf der ART Innsbruck einmal mehr eine bunte Mischung aus Kunst und Erzeugnissen, die diese Bezeichnung kaum verdienen. Wer sich, vorbei an so mancher Kitsch-Orgie, tapfer den Weg durch den Kojen-Dschungel bahnt, wird vereinzelt immerhin doch noch mit Ansprechenderem belohnt: Abstraktes von Hubert Scheibl, auszumachen bei Rhomberg und der Wiener Galerie Aurora, Entwürfe und Skizzen von Josef Mikl am Stand des Kunstraum 1020, Hans Staudacher im Angebot von Moskat. Die Wiener Galerie Hartl wiederum rückt den 2011 verstorbenen Tiroler Maler Herbert Danler in den Fokus, dessen expressiv-düstere Darstellungen bäuerlicher Natur und Kultur den Geschmack des hiesigen Publikums treffen könnten.
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