Bank, Krise, Irrwitz
David Lindemanns Komödie „Getränk Hoffnung“ kam in Wien zur Uraufführung.
Von Bernadette Lietzow
Wien –„Meine Bank, deine Bank, die Bank ist für uns alle da.“ Was in fernen, vergangenen Wirtschaftswunder-Jahren etwas modifiziert für so private Angelegenheiten wie die Wahl des bevorzugten Deodorants galt, lässt einem in Zeiten des bröckelnden Turbokapitalismus die ehemals dezenten Bank-„Beamten“ mit dem Zwang zur Geschäfts-abwicklung gefährlich nahe auf den Pelz rücken. Der 1977 geborene deutsche Autor David Lindemann stellt in seinem Stück „Getränk Hoffnung“ den Versuch an, die allgemeine Ratlosigkeit angesichts der Irrationalität des derzeitigen Finanzmarkt-Desasters mit komödiantischen Mitteln zu bebildern.
Herr Bond (Dietmar König), mit dem galanten Agenten nur weitschichtig verwandt, ist der gequälte Bankkunde, dessen Termin mit seiner Beraterin Frau Merkel, nicht Angela wohlgemerkt, sich zu einer wahnwitzigen Achterbahnfahrt durch die Welt einer entgleisten Geldwirtschaft entwickelt. Die neuen Zeiten, in denen „Vertrauen das neue Kerngeschäft“ der Banken ist, verlangen von Frau Merkel (Alexandra Henkel) einigen Körpereinsatz auf dem Weg zum Geschäftsabschluss. Vom Vormittagsbier auf der Park-„Bank“ über intime Dienste bis hin zum belebenden Schluck Milch aus ihrer Brust steht sie, sekundiert vom cholerischen Kollegen (Markus Kiepe), ganz im Dienst des Kunden. In einer an Kafka (der übrigens auch zitiert wird) geschulten Szenerie, angereichert mit Erkenntnissen des Systemtheoretikers Niklas Luhmann und einigem anarchischen Witz schafft Lindemann etwas, das man vielleicht als Boulevard 2.0 bezeichnen könnte: gute Unterhaltung mit der Krise.
Michael Schachermeier, Regisseur des Abends und als solcher Burgtheaterdebütant, überlässt das traditionell gebaute Stück, mit einigen Strichen, seinem lustvoll agierenden Ensemble, dem neben den schon erwähnten Schauspielern Brigitta Furgler als einigermaßen groteske „Zigeunerin“ und Hans Dieter Knebel als „Kapitalist der alten Schule“ angehören. Am Schluss überwinden scheinbar alle die vielzitierte Krise per Flucht vor der Wirklichkeit oder handelt es sich um eine einfache Ermächtigung? Kräftiger Applaus beschließt einen heiteren, nicht zwingend nachhaltigen Abend.
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