Geschichte mit digitalen Stationen erlebbar machen
Ein zeitgemäßer Themenweg in Lienz wird die Kosakentragödie mittels Smartphone näherbringen. Das Projekt wird am 9. Juni präsentiert.
Von Claudia Funder
Lienz –Furchtbare Szenen spielten sich Ende des Zweiten Weltkrieges in Lienz ab. Im April 1945 zogen 25.000 Kosaken auf der Flucht vor den Tito-Partisanen über Italien Richtung Osttirol, wo sie das englische Kriegsgefangenenlager erreichen wollten. Die Rettung, wie sie vermuteten. Es kam anders. Die Briten trieben die Kosaken zusammen, um sie entgegen ihres Versprechens an die Sowjets auszuliefern. In Lienz eskalierte die Situation, es kam zu Verzweiflungstaten: Viele Kosaken schnitten sich ihre Pulsadern auf. Mütter warfen ihre Kinder in die reißende Drau und sprangen hinterher in den Tod, um der Auslieferung zu entgehen.
Die Erinnerung an die Tragödie ist noch immer wach. Jährlich findet auf dem Kosakenfriedhof, wo rund 300 Kosaken ihre letzte Ruhe fanden, ein Gedenktag statt, zu dem auch immer zahlreiche Nachkommen der Kosaken aus aller Welt anreisen.
Derzeit wird an einem neuen Zugang gearbeitet, um das Stück Lienzer Geschichte erlebbar zu machen. Initiator des Projektes ist der gebürtige Osttiroler Harald Stadler, Experte für Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. Er arbeitet an einem digitalen Themenweg. „Die acht bis zehn Stationen werden an verschiedenen Standorten des Stadtgebietes von Lienz mittels QR-Code über Smartphones das Wissen über die Kosakentragödie abrufbar machen“, so der Historiker und Archäologe. „Geplant sind jeweils kurze Schilderungen und Bilder.“ Die Präsentation wird am diesjährigen Gedenktag, dem 9. Juni, stattfinden. Aber auch die „Papiergeneration“ wird nicht zu kurz kommen. Stadler: „Die Schilderungen der Ereignisse werden in mehreren Sprachen aufbereitet, neben Deutsch auch auf Englisch und Russisch.“ Die Gesamtkosten für den digitalen Themenweg, dessen Stationenanzahl und -standorte noch nicht exakt definiert sind, betragen 6000 Euro. Die Finanzierung erfolgt zu je einem Drittel durch Verein, Land und Stadt Lienz.
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