Schuldlos schuldig ins Mittelmaß

Die tipp3-Bundesliga freut sich nach drei Vierteln der Saison über große Spannung und leidet zugleich an den Langzeitfolgen der Abwanderungswut ihrer größten Talente.

Von Hubert Winklbauer

Innsbruck –Der rotweißrote Fußball ist so ausgeglichen wie noch nie. Und der Titelkampf in der heimischen Bundesliga verspricht nach drei Vierteln der Saison 2011/12 auch mehr Spannung als in den Jahren zuvor. Aber die kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fans des österreichischen Fußballs immer weniger Freude haben. Red Bull Salzburg hatte als vermeintlicher Publikumsmagnet bei seinem letzten Heimspielsieg (2:1 über Wr. Neustadt) gerade mal 4800 Fans ins Stadion locken können – und die probten dort ein Pfeifkonzert.

Aus der Bundesliga haben sich Lust, Fantasie und Kreativität weitgehend vertschüsst. Und einem sisyphusartigen Schmerzzustand – manchmal ganze 90 Minuten lang dauernd – Platz gemacht.

In den fünf Partien der 27. Runde haben insgesamt rund 28.000 Fans die Drehkreuze in fünf Stadien mit schlechten Plätzen in Bewegung gebracht. Das sind um 5000 weniger, als allein der schwer kriselnde FSV Mainz beim 1:3 gegen Hertha Berlin in der deutschen Liga begrüßen durfte.

Neun Teams der Zehnerliga (Red Bull Salzburg spielt finanziell ja in einer anderen Liga) scheinen schuldlos schuldig am Niedergang der Spielkultur. Darunter auch der FC Wacker Innsbruck, dem es gelingt, mit einem hohen Maß an Grundtugenden und viel Taktik zumindest tabellarisch Furore zu machen. Aber grundsätzlich geht es den Tirolern wie acht anderen Ligakonkurrenten auch. Sukzessive wurde in den letzten Jahren das Budget zurückgefahren, sukzessive sind ihnen Kreativspieler abhanden­gekommen, sukzessive hat sich das Bewusstsein breitgemacht, ohnehin „nur“ Ausbildungsverein zu sein.

Was den einzelnen Kicker freut, schmerzt die tipp3-Liga. Jeder Spieler, der überdurchschnittlich spielt und einen guten Manager hat, geht ins Ausland (siehe Kasten rechts). Die meisten davon im internationalen Vergleich als Schnäppchen.

Das ist ein Aderlass an Klasse, der durch die „Nachwuchs­produktion“ nicht zu kaschieren ist. Und den Zukauf gleichwertiger Ausländer kann sich kein Klub leisten.