Strenger Winter wurde für Gamswild zur Todesfalle

Die Jäger im Bezirk beklagen einen hohen Ausfall beim Gamswild. Das müsse im Abschussplan berücksichtigt werden, meinen etliche.

Von Angela Dähling

Hinterriß –Es sind keine guten Nachrichten, die der Schwazer Bezirksjägermeister Otto Weindl aus den Gamswildrevieren hat. „Es schaut schlimm aus. Viele junge Tiere sind regelrecht verhungert“, lautet seine erste Zwischenbilanz nach dem extrem schneereichen Winter. Der Winter kam spät und mit voller Wucht. Durch die gefrorenen Schichten gelang es den Tieren oft nicht hindurchzugraben, um Futter zu finden. Genaue Zahlen über die verendeten Tiere (das so genannte Fallwild) gibt es noch nicht. Etliche Jäger seien wegen der Lawinenstriche noch gar nicht überall in ihr Revier vorgedrungen, sagt Weindl. „Das Gamswild gilt als heiliges Wild, weil es nur am Alpenhauptkamm vorkommt. Deshalb sollten die Jäger besonders gut darauf aufpassen“, meint Weindl und ergänzt: „Die Jäger wünschen, dass das Fallwild im Abschussplan berücksichtigt wird.“

Ganz seiner Meinung ist der Berufsjäger Robert Prem. Er ist Revieroberjäger und Gamswildreferent des Tiroler Jägerverbandes. Prem verweist auf die 2011 geänderte Gesetzeslage. Demnach werden die durch den harten Winter verendeten Tiere nur dann dem Abschussplan zugerechnet, wenn die Abschuss­quote nicht erfüllt wird.

„Das kann‘s nicht sein. Tot ist tot – ob erschossen, verhungert oder vom Auto überfahren“, meint Prem. Seiner Meinung nach würde die Natur durch Winter wie diesen den Gamswildbestand von alleine regeln. Gerade die nachhaltige Bewirtschaftung des Gamswilds, das aufgrund seines Reviers hoch oben am Berg nicht wie Rot- und Rehwild gefüttert werden kann, sei durch eine solche Gesetzeslage in Gefahr. An der hohen Sterberate des jungen Gamswildes sei nicht nur der harte Winter, sondern auch Tourengeher schuld, vor denen die geschwächten Tiere flüchten, sagt Prem. Im Karwendel sei viel öffentliches Geld für Tourenlenkungen und Abfahrtsvarianten in die Hand genommen worden, aber es gebe leider viele Ausreißer. „Wir müssen im Sommer Wild schießen, um den Waldverbiss zu vermeiden und im Winter zerstören dann die Wintersportler den Jungwald“, zeigt Prem ein weiteres Problem auf. „Das haut die Zusammenarbeit von Jagd und Forst auf Jahre zurück.“

Der Berufsjäger hat in den letzten Wochen sehr viele Gämsen in seinem Revier entdeckt, die den Winter nicht überlebt haben. Vier stark geschwächte Tiere konnte er einfangen, um sie zuhause wieder aufzupäppeln. „Als Kreislaufmittel bekamen sie zunächst einen Traubenzucker-Coffeincocktail. Sie waren so ausgehungert, dass sie nur ganz langsam wieder ernährt werden können“, schildert er. Einen Hundezwinger und ehemalige Pferdeboxen hat Prem in Gamsställe umfunktioniert. „Die ersten zwei Tage sind entscheidend. Wenn sie die überstehen, schaffen sie es meistens“, sagt er. Zwei Tiere konnte er schon wieder in die Freiheit entlassen.