James Camerons Tauchfahrt

Kampf mit der Technik statt Rendezvous mit Tiefseekreaturen

Als James Cameron am tiefsten Punkt der Erde ankam, gab der Roboterarm an seinem U-Boot auf. Bei der nächsten Tauchfahrt soll es besser klappen.

Guam – Es war die Expedition seines Lebens: James Cameron erreichte am Montagmorgen als erster Mensch alleine die sogenannte Challenger Deep, den tiefsten Punkt der Erde. Zwei Stunden und 36 Minuten dauerte die Fahrt des Ein-Mann-U-Boots, bis es am Grund in 10.898 Metern Tiefe ankam. „Ich habe gerade den Boden erreicht. Den Tiefpunkt zu erreichen hat sich noch nie so gut angefühlt“, twitterte der „Titanic-Regisseur mitten aus dem Marianengraben, rund 500 Kilometer südwestlich von der Insel Guam. Gut vier Stunden später um 12 Uhr mittags (Ortszeit) tauchte der studierte Physiker in seiner „Deepsea Challenger“ wieder auf – und berichtete am Nachmittag von seiner abenteuerlichen Reise in die Tiefseewelt.

Hydraulik-Leck am Roboterarm

„Es war sehr Mond-ähnlich, trostlos, abgeschieden“, beschrieb er seine ersten von der fast unerforschten Unterwasserwelt in einer Video-Pressekonferenz. Fische habe er nicht gesichtet. „Ich habe Leben erwartet und ich habe herausgefunden, dass das Leben viel kleiner ist“, berichtete er. „Ich habe keine großen Quallen gesehen oder Anemonen, wie ich sie im New Britain Trench gesehen habe.“ Der Grund am Challenger Deep sei nichtssagend. Er habe sich vorgestellt, die Lebewesen würden sich daran anpassen. „Aber ich glaube nicht, dass wir das wirklich sehen werden.“

Anders als geplant, blieb der 57-jährige Kanadier nicht bis zu sechs sondern nur drei Stunden am Meeresgrund. Ein Leck, aus dem Hydrauliköl austrat, verhinderte einen längeren Aufenthalt. Eigentlich wollte Cameron mit Hilfe eines Roboterarms Steinproben und Tiere einsammeln. Doch wegen des Lecks misslang dies. „Ich konnte nichts aufheben. Aber das ist zu erwarten bei einem Prototyp.“

Cameron hätte mit seiner „Deepsea Challenger“ an einen unbemannten „Lander“ andocken sollen, der schon vor der Ankunft des Hollywood-Regisseurs zum Meeresgrund hinuntergelassen werden sollte. Die Kapsel, an der Köder angebracht waren, hätte Tiefseekreaturen wie Raubfische und Aasfresser anlocken sollen. Doch ein Problem mit dem Sonar-System verhinderte dies. Denn Cameron hätte ohne das Ortungssystem die Station nicht finden können.

Weitere Tauchgänge geplant

Der 57-Jährige berichtete gegenüber National Geographic vom Ausfall einiger Seitenruder. „Ich verlor die ganze Steuerbord-Seite. In dem Moment entschied ich, aufzusteigen. Ich konnte nicht mehr weiter – ich drehte mich nur noch im Kreis.“ In nur 70 Minuten erreichte er dann die Wasseroberfläche. „Wir haben so schnell vom Grund abgehoben, das ganze Ding hat schlicht gewackelt“, beschreibt Cameron die „wilde Fahrt“. Es hat vielleicht nicht alles so funktioniert, wie es sich das Team der „Deepsea Challenge“-Expedition, die von Cameron selbst, National Geographics und Rolex finanziert wird, vorgestellt hat. Aber: „Das ist keine einmalige Sache, bei dir wir da runter gehen und alle Fragen beantworten.“

Allen technischen Tücken zum Trotz war der 57-Jährige zufrieden. „Das U-Boot hat gut funktioniert dafür, dass es zum ersten Mal im Einsatz war. Wir planen zurückzukehren und in den nächsten Wochen Tauchgänge zu unternehmen.“ Und dann würden auch mehr Proben mit nach oben gebracht werden, die die Wissenschafter der Expedition untersuchen können. „Ich sehe es als Grenze, die wir geöffnet haben – für die Wissenschaft, um diese tiefen Orte der Welt zu verstehen.“

Prominente Gratulanten

Einer der ersten Gratulanten, die sich bei dem Regisseur via Twitter meldeten, war Arnold Schwarzenegger: „Glückwunsch an meinen Freund zum tiefsten Solo-Tauchgang jemals. Er ist immer ein Pionier“, schrieb Arnie. Und auch Richard Branson, der selbst an einem U-Boot für den Tauchgang an den tiefsten Punkt der Erde baut, meldete sich über den Kurznachrichtendienst: „Gratuliere, James Cameron, zur erfolgreichen Beendigung deiner „Deepsea Challenge“. Großartig zu sehen, dass die Ozeane erforscht werden!“ (smo)

Alle Informationen über die Expedition finden Sie hier: http://deepseachallenge.com/