Mordfall Krailling: Onkel bestreitet die Tat
Überraschende Wende im Mordprozess rund um den Doppelmord in Krailling: Der verdächtige Onkel der toten Mädchen gab erstmals ein Statement ab.
München – Monatelang hat Thomas S. geschwiegen. Nachdem er wegen des Doppelmordes an seinen Nichten (acht und elf Jahre alt) als mutmaßlicher Täter festgenommen wurde, hat er sich nicht mehr zu den Vorwürfen geäußert. Über seine Anwälte ließ er aber ausrichten, dass er unschuldig sei.
Heute – am Tag der Urteilsverkündung – machte der Angeklagte erstmals seinen Mund auf. Mit der Ankündigung hat er sogar seine Anwälte verwundert, denn in dem rund zweimonatigen Prozess wollte er nicht einmal eine Stellungnahme abgeben.
Staatsanwalt Florian Gliwitzky glaubt aber nicht, dass der 51-Jährige die ihm angelasteten Morden gestehen will. Vielmehr sieht er taktische Gründe als Motiv für das plötzliche Aufbrechen der Sprachblockade. Denn durch einen Widerspruch könnte der Prozess weiter vertagt werden. Tatsächlich liegt der Staatsanwalt mit seiner Annahme nicht daneben: Ursprünglich wurde für Dienstag ein Urteil erwartet, nun wird der Prozess am 16. April fortgesetzt. Verteidiger Adam Ahmed will möglicherweise noch Anträge stellen. Dennoch ist bereits ein Urteil am 17. April möglich.
Onkel liest Aussage vor
Thomas S. erklärt am Dienstag vor Gericht, was seiner Meinung nach nicht korrekt dargestellt wurde. Er widerspricht Zeugenaussagen und es wirkt beinahe so, als wollte er das öffentliche Bild eines eiskalten Mörders von sich revidieren. „Ich habe meine Kinder nie geschlagen“, liest er unter anderem vor. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sind die Sätze, die der mutmaßliche Mörder vom Blatt liest, beinahe unverständlich. Er spricht mit dünner Stimme. Auch das Vorgehen der Polizei sei ihm „ein Rätsel“, so Thomas S. Das Bild seiner Verletzungen, das die Ermittler als Beweis für die Tat sehen, sieht er selbst als Fotomontage.
„Habe Nichten nicht getötet“
Die Tat bestreitet er weiterhin mit klaren Worten. „Ich habe meine Nichten nicht getötet. Und zwar aus einem einzigen Grund: Man tötet keine Menschen.“
Die Anklage wirft dem verschuldeten Onkel vor, er habe die beiden Nichten aus Habgier ermordet. Auch die Mutter der Mädchen hätte getötet werden sollen, damit ihre Schwester – seine Frau – alles Vermögen erben würde.
Die beiden Schwestern waren in ihrem eigenen Kinderzimmer ermordet worden. Beide Mädchen wurden bestialisch mit schweren Hanteln erschlagen und erwürgt worden. Am Tatort fand die Polizei eindeutige DNA-Spuren, die vom Onkel der Kinder stammten.
(tt.com)
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