Anna und ihr Lieblingsfeind
Videos und Fotoarbeiten von Anna Jermolaewa in der Innsbrucker Galerie Widauer.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Alle fünf Jahre fährt Anna Jermolaewa nach St. Petersburg, um den aktuellen Zustandsbericht ihrer alten Heimatstadt zu ermitteln. Mit der Videokamera, mit der sie immer dieselbe U-Bahn-Rolltreppe hinauffährt, um die Hinunterfahrenden zu filmen. Den 1996 entstandenen Film hat die 1988 wegen politischer Widerständigkeit vom KGB Verhaftete vor einigen Jahren bereits in der Galerie Widauer gezeigt. Um ihn nun noch einmal zu zeigen, diesmal allerdings kombiniert mit einem 15 Jahre später an demselben Ort entstandenen und nach demselben Prinzip funktionierenden Film.
Dieser Parallellauf wird spannend, wenn man ganz genau hinschaut. Die Geräusche und das Licht haben sich verändert, die Menschen links lesen in Büchern, die rechts halten sich Handys an die Ohren. 1996 trug man noch Pelz, heute Daunenmantel. Die Risse von ehemals an den Wänden sind verschwunden – der russische Präsident ist aber der gleiche. Mit ihm, Putin, hat sich Anna Jermolaewa auf einem Foto verewigt. Sie als Frau aus Fleisch und Blut, ihr Lieblingsfeind als Wachsfigur.
Jermolaewa, die Kogler-Schülerin, lebt seit ihrer Flucht aus Russland in Wien. Hier ist auch ihr Video eines durch den U-Bahn-Bau zusammengebrochenen Hauses entstanden, das durch seine raffinierte Regie verblüfft. Offensichtlich gute Erinnerungen verbindet die 42-Jährige mit dem Zillertal, wo sie sich nackt auf einem Bett liegend mit fabelhaftem Ausblick auf die verschneiten Berge fotografisch selbst porträtiert hat.
Eine fast skulpturale Arbeit ist das über zwei sich im 90°-Winkel berührende Wände gespielte Video. Sein Inhalt ist eigentlich banal: zeigt zwei sich unter einem Handföhn bewegende Hände. Zelebriert durch das Aufblähen ins Riesenformat fast pathetisch die Dellen und reversiblen „Verletzungen“, die der Luftstrom in die Haut bohrt.
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