Repräsentieren, meditieren, wohnen

Die Prälatur von Abt Raimund Schreier im Stift Wilten ist multifunktional: stilvoll die Empfangsräume, schlicht die Wohnräume. – Als Rückzugsraum für den Abt und seine Mitbrüder dient die Konventkapelle.

Von Peter Hörhager

Innsbruck –Kirchenfürst? – Nein, als solcher sieht sich Abt Raimund Schreier ganz und gar nicht. Auch wenn er als 55. Abt dem ältesten Kloster Tirols vorsteht und Stift Wilten über prächtige Repräsentationsräume verfügt. Immerhin ist der Abt nicht nur Klostervorsteher von Wilten, sondern auch Haus-, Hof- und Erbkaplan des Landes Tirol, Vikar der deutschsprachigen Zirkarie, Vorsitzender der Liturgie­kom­mission der Zirkarie, Provisor, Rektor der Wiltener Sängerknaben, Vorsitzender der Tiroler Superiorenkonferenz und Prior der Komturei Innsbruck der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Im zweistöckigen Vestibül spürt man noch die barocke Prachtentfaltung der Bauzeit. Auch im so genannten Salon, in dem der Abt honorige Gäste des Stiftes willkommen heißt (der prominenteste war 1988 Papst Johannes Paul II.), stechen kostbare Antiquitäten ins Auge. Dahinter – hell und funktionell: das Arbeitszimmer, wo der Abt die kirchlichen und weltlichen Geschicke des Stiftes lenkt. Lediglich der Computer unterscheidet den Schreibtisch Abt Raimunds von jenen der Vorgänger. Lehnt er sich aus dem Fenster, kann er sogar die Bergiselschanze sehen.

Auch die Privatgemächer (Wohnzimmer, Schlafzimmer) sind einfach, ohne protzigen Schnickschnack. Ikonen, eine besonders schöne bekam der Abt von seinem Vorgänger Alois Stöger, und einige wenige persönliche Gegenstände geben dem privaten Wohnraum seine spezielle Note. Nicht zu vergessen das Klavier, das sich Abt Raimund vor einigen Jahren geleistet hat. Bach, Mozart – das sind die bevorzugten Komponisten, deren Werke er in raren Stunden am liebsten spielt. „Ich wollte ja Lehrer, Arzt oder Musiker werden“, erzählt der Abt, „habe mich aber für den Priesterberuf entschieden, in dem ich Religionslehrer, Arzt für die Seele des Menschen und musikalisch tätig sein kann – als Rektor der Sängerknaben, Kantor und Organist.“

Nicht nur in der bevorstehenden Karwoche sind Mußestunden rar. Von 5.45 Uhr (um 6.30 Uhr beginnt die Konventmesse) bis Mitternacht erstreckt sich in der Regel der Arbeitstag des Abtes. Fixtermine: Laudes, Mittagshore und Vesper. „In unserer hektischen Zeit braucht man Orte der Stille – die Chorkapelle ist ein solcher Rückzugsort“, erklärt Abt Raimund.

Hat der Prämonstratenser, der momentan 27 Mitbrüdern vorsteht (die unter anderem 21 Pfarren in und um Innsbruck betreuen), auch Schwächen? „Süßigkeiten“, gesteht der Abt. Müßig zu erwähnen, dass er in der Fastenzeit darauf verzichtet.