Fukushima

Reaktor in Fukushima schwerer beschädigt als angenommen

Die Meldung dürfte kaum jemanden überraschen. Doch dass die Strahlenwerte am Reaktor zwei der zehnfachen tödlichen Dosis entsprechen ist besorgniserregend.

Tokio – Ein Jahr nach der dreifachen Katastrophe in Japan reißt die Serie an Hiobsbotschaften nicht ab. Eine neue Untersuchung des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi hat noch schwerere Schäden ergeben als bisher angenommen.

Die Strahlenwerte in Reaktor 2 seien zehnmal höher als eine tödliche Dosis. Kühlwasser sei zudem kaum noch vorhanden, erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco am Dienstag. Dies habe eine endoskopische Untersuchung ergeben. So stehe das Kühlwasser nur etwa 60 Zentimeter hoch. Die Regierung war von zehn Metern ausgegangen, als sie das Kraftwerk im Dezember für stabil erklärte.

Dem nicht genug: Arbeiter in Fukushima meldeten außerdem neue Lecks, aus denen verstrahltes Kühlwasser austrat. Teile davon flossen den Angaben zufolge ins Meer.

Aussichtslose Chef-Suche

Indes sucht Tepco händeringend nach einem neuen Chef. Die ungelöste Führungsfrage könnte beim krisengeplagten Tepco-Konzern einen Sanierungsplan verzögern, in dem der Energieriese auch Staatshilfe über umgerechnet knapp 9 Mrd. Euro beantragt, wie ein Insider Reuters am Dienstag mitteilte. Die Wahl eines neuen Vorstandschefs wird als wichtiger Punkt für den neuen Geschäftsplan gesehen, der Ende März erwartet wird.

„Mit Blick auf Themen wie Atomkraftwerke und Strompreiserhöhungen gibt es eigentlich niemanden, der den Job wirklich übernehmen möchte“, hieß es weiter.

Nach Angaben aus Bankenkreisen könnte die Personalsuche nun von dem Geschäftsplan abgekoppelt werden. Die japanische Regierung will früheren Berichten zufolge das komplette Direktorium auswechseln, um nach der Fukushima-Katastrophe die Verantwortlichkeiten im Management besser klären zu können. Der Wechsel sei auch Bedingung für die öffentlichen Hilfsgelder für Tepco, hatte eine Zeitung Ende Februar berichtet. Tepco muss Schadenersatz in Milliardenhöhe zahlen. (tt.com, APA)