Eine Geburtstagsfeier auf 150 Gipfeln
Der Bergsportausrüster Mammut feiert heuer seinen 150. Geburtstag. Gefeiert wird weltweit: auf 150 Gipfeln in 40 Ländern, mit einem Buch und einer eigenen Jubiläumskollektion.
Von Irene Rapp
St. Leonhard –Kaspar Thanner hätte seinen Augen nicht getraut, wäre er am vergangenen Donnerstag auf dem Gipfel der Wildspitze, dem zweithöchsten Berg Tirols in den Ötztaler Alpen gestanden. Denn da tummelte sich eine Gruppe von Bergsteigern, die alle einheitlich ausgerüstet waren. Thanner hätte beim näheren Hinsehen dann das Logo eines schwarzen Mammuts auf den Ausrüstungsgegenständen gesehen, es aber nicht zu deuten gewusst.
Kein Wunder: Der Schweizer gründete zwar 1862 den heutigen Bergsportausrüster Mammut, damals produzierte man allerdings nur Seile – und das unter anderem Namen. 150 Jahre später sind aus einem Produkt über 650 verschiedene Produkte für den Bergsport geworden und aus der Seilerwarenfabrik A.G. Lenzburg entwickelte sich die Mammut Sports Group. Ein Unternehmen, das wie kein anderes den Alpinismus mitprägte: am Anfang mit seinen technisch ausgereiften Seilen für die wachsende Kletterszene, heute mit seiner breiten Palette an hochqualitativen Ausrüstungsgegenständen für Alpinisten.
Diesen Winter etwa hat Mammut erstmals Lawinenairbags auf den Markt gebracht – und damit den richtigen Riecher gehabt. Alle Stücke waren innerhalb kurzer Zeit verkauft. „Im nächsten Winter wollen wir 4500 Lawinenairbags in Österreich verkaufen“, wagt daher Armin Duda von Mammut Sports Group Austria berechtigt positive Ansagen für die Zukunft. 4500 Stück – das wären viermal so viel, als im heurigen Winter verkauft worden sind.
Doch davor gilt es, noch ausgiebig zu feiern. Denn 150 Jahre Mammut bedeutet eine halbe Ewigkeit in einer Branche, in der der Großteil der Konkurrenten viel weniger Jahre auf dem Buckel hat. Im heurigen Jubiläumsjahr wurden daher zahlreiche Aktivitäten gestartet – vom eigenen Buch über das Unternehmen bis hin zur Jubiläumskollektion – von der Jacke bis zum Schuh –, die man im Handel erstehen kann.
Das wohl bemerkenswerteste und in dieser Form noch nie dagewesene Geburtstagsgeschenk machte man jedoch den Kunden selbst: Unter dem Stichwort Peaks-Project konnten sich 2011 Interessierte im Internet für ihre persönliche Gipfel-Expedition bewerben. Rund 2500 Personen meldeten sich, die von Mammut in Sachen Ausrüstung und mit einem Bergführer unterstützt, ein alpinistisches Projekt ihrer Wahl in die Tat umsetzen wollten. Das Ziel: Im 150. Jahr des weltweit agierenden Unternehmens 150 Gipfel zu besteigen. Ein Projekt, das auf großes Echo stieß und bereits Preise einheimste.
„Insgesamt werden in 40 Ländern rund 1400 Alpinisten auf 150 ausgewählte Berge steigen“, erzählt Duda. Und da befindet sich nicht nur der Mount Everest darunter, sondern u. a. auch ein noch unbestiegener Gipfel in Kirgistan oder Unternehmungen, an denen körperlich beeinträchtigte Bergsteiger beteiligt sind.
In Österreich stand u. a. die Wildspitze vergangene Woche auf dem Programm, am 27. Juli plant man mit dem Alpenverein – der heuer ebenfalls sein 150-Jahr-Jubiläum begeht – ein weiteres Gipfelprojekt. Dass beide Geburtstagskinder sich nicht nur über ihr hohes Alter freuen können, zeigt ein Blick in Statistik und Bilanz.
Jubelt man beim Alpenverein über steigende Mitgliederzahlen, so spürt man auch beim Bergsportausrüster nicht viel von einer wirtschaftlichen Krise. „Wir haben 2011 in Österreich einen Umsatz von 25 Millionen Euro gemacht, Tendenz steigend“, sagt Duda. Die Berge seien das Fitnessstudio der Zukunft, für viele ein Rückzugsort in immer hektischer werdender Zeit. Und dafür seien viele bereit, für eine Premium-Ausrüstung tiefer in die Tasche zu greifen. Wobei eines unübersehbar ist. „Die Tiroler sind eher bereit, für hochwertiges Material Geld auszugeben“, spürt Duda ein deutliches Ost-West-Gefälle in Österreich.
Mit ein Grund, warum man plant, in Innsbruck demnächst ein Mammut-Monobrand-Store zu eröffnen. Mit noch mehr Möglichkeiten, sich in seiner ganzen Produktbreite präsentieren zu können. Um immer im Gespräch zu bleiben, hat man sich auch für diesen Sommer Neues überlegt: Da gibt es mit der Realization Short erstmals eine Hose, in der ein Klettergurt integriert ist. Wie gesagt, Oskar Thanner würde seinen Augen nicht trauen, könnte er an den 150-Jahr-Feierlichkeiten teilnehmen.
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