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Hausaufgaben für die Katz

Hausübungen sind fixer Bestandteil des Unterrichtskonzeptes. Eine Studie der TU Dresden belegt aber, dass der gewünschte Lerneffekt dabei vollkommen ausbleibt.

Von Miriam Hotter

Innsbruck –„Bis morgen macht ihr die restlichen Nummern fertig“, kündigt die Lehrerin nach dem Pausenklingeln noch schnell die Hausaufgabe an. Mit gutem Gewissen, denn Hausübungen sind ja bekanntlich wichtig und unverzichtbarer Leistungsbarometer. Falsch! Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn es nach einer Studie der Technischen Universität (TU) Dresden geht. Demnach sind Hausübungen sinnlos und längst überholt.

Aber in der Gesellschaft besteht immer noch die zweifelsfreie Überzeugung, dass Hausaufgaben sinnvoll sind. Den Schülern soll damit ermöglicht werden, sich im individuellen Tempo mit Lerninhalten auseinanderzusetzen. Dadurch sollen schwächere Schüler an ihre Schulkameraden anschließen können.

Das tun aber nur wenige mit Erfolg. „Im Grunde genommen ziehen Schüler keinen Nutzen aus den Hausaufgaben, weil sie zu allgemein aufgegeben und nicht gezielt auf jeden Einzelnen abgestimmt werden“, meint Studienautor Johann Gängler vom Institut für Erziehungswissenschaften der Technischen Universität Dresden.

75 Prozent der jeweils 500 befragten Lehrer und Schüler gaben demnach an, nicht zu wissen, ob Hausaufgaben überhaupt etwas bringen. „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht besser, und schlechte begreifen durch bloßes Wiederholen daheim noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht verstanden haben“, erklärt Gängler. Nur zu oft würden Hausübungen dann zur Elternsache.

Dass dem oft so ist, zeigt eine Studie des österreichischen Karmasin-Instituts. Demnach geben 46 Prozent der Eltern an, dass sie ihrem Nachwuchs regelmäßig oder häufig bei den Hausübungen helfen. Aber Hausaufgaben sollten dem entsprechen, was im Bereich des Machbaren jedes einzelnen Schülers liegt, sind sich Experten einig. Dafür führe allerdings kein Weg an einer Differenzierung vorbei. „Auch der soziale, familiäre Hintergrund ist ein sehr wichtiger Aspekt bei den Hausaufgaben, den Lehrpersonen nicht unterschätzen dürfen“, warnt Gängler. Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, täten sich bei den gleichen Aufgaben für Muttersprachler nämlich schwerer.

Die Meinung, dass nicht jedes Kind dieselbe Hausaufgabe bekommen sollte, teilt auch Monika Finsterwald, Bildungspsychologin an der Uni Wien. „Für gute Schüler ist es sehr demotivierend, wiederholt zu zeigen, was sie bereits in der Schule gezeigt haben.“

Außerdem sei der rein wiederholende Charakter der Hausübungen veraltet. Die Schüler sollten endlich neue Facetten des Lernens kennen lernen. „Sie könnten z. B. eigenständig etwas recherchieren“, erklärt die Bildungspsychologin. Das sei ein großer Ansporn für die Schüler und eine willkommene Abwechslung zu wiederholenden Hausübungen.

Reizvoller würden Hausaufgaben für Schüler auch, wenn man ihnen eine Wahl lasse. „Das soll nicht heißen, dass sie darüber entscheiden, ob sie die Hausaufgaben erledigen oder nicht. Es gibt immer einen Pflichtteil, der gemacht werden muss“, erklärt Finsterwald. Aber zusätzlich zum Pflichtteil der Hausübung sollte es noch die Möglichkeit geben, zwischen zwei oder drei Zusatzaufgaben zu wählen. „Dass das sehr motivierend für Schüler ist, belegen zahlreiche Forschungen“, weiß sie. Und noch etwas Positives ergibt sich aus der Wahlmethode: Die Schüler lernen Eigenverantwortung zu übernehmen für das, was sie lernen.

Verantwortung über Lernkonzepte tragen aber vor allem die Lehrerinnen und Lehrer. Oft benutzen Lehrpersonen die Hausaufgaben als Stoffbunker. „Eine Unterrichtseinheit von 50 Minuten reicht oft nicht für die Vor- und Nachbereitung eines Stoffes“, weiß Ilse Schrittesser, Leiterin des Instituts für Lehrer/-innen- bildung und Schulforschung der Universität Innsbruck. Die Inhalte, die Lehrer nicht durchbringen, sollen Schüler dann selbstständig zu Hause erarbeiten. „Das ist sicherlich nicht der Sinn und Zweck von Hausübungen“, betont Schrittesser.

In einer von ihr durchgeführten Interview-Studie kam sie zu dem Ergebnis, dass Schüler Hausaufgaben dann für sinnvoll halten, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Die Lehrperson darf die Hausübung nicht nur aufgeben, sondern muss sie auch kontrollieren und Rückmeldung geben. Die Aufgaben müssen außerdem durchführbar sein – und das, ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Dann sind Schüler nicht länger frustriert, sondern sie erleben ihren eigenen Lern­erfolg.